Der Frühling bringt noch keine Besserung

Inzidenzzahlen nach Ostern sprunghaft gestiegen - Landkreis hinkt beim Impfen etwas hinterher

Die Entwicklung der Fallzahlen war in Hessen wie im Landkreis nach wochenlangem Anstieg endlich wieder auf einem guten Weg - und dann kam Ostern. Die explosionsartige Schubumkehr ebbte offenbar nur kurz wieder ab und scheint sich in dieser Woche fortzusetzen (Stand von Mittwoch).

Seit Dienstag gibt es eine neue Entscheidungslage auf Bundesebene zur Corona-Bekämpfungspolitik, die weitere Beschränkungen des öffentlichen Lebens in den kommenden Wochen vorsehen. Die müssen, anders als bei den in Länder-Verordnungen mündenden Beschlussrunden der Bund-Länder-Treffen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und den 16 Ministerpräsidentinnen und -präsidenten, erst noch den Bundestag passieren. Denn nicht einfache Verordnungen, sondern eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes ist das Ziel der so genannten "Corona-Notbremse".

Demnach, so eine zentrale Bestimmung, sollen sich Menschengruppen in Gebieten mit einer Sieben-Tage-Inzidenz ab 100 aufwärts als „private Zusammenkünfte im öffentlichen oder privaten Raum“ nur dann treffen dürfen, „wenn an ihnen höchstens die Angehörigen eines Haushalts und eine weitere Person einschließlich dazugehöriger Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres teilnehmen“, heißt es in den Gesetzentwurf.

Das für vergangenen Sonntag angedachte, neuerliche Bund-Länder Treffen zwischen der Kanzlerin und den Länderchefs war abgesagt worden. Eine weitere Verordnungsrunde genügte Merkel offenbar nicht mehr. Das wäre wohl anders gekommen, wenn die Perspektiven für die weitere Entwicklung bei den Infektionszahlen mit dem SARS-CoV-2-Virus von den Experten günstiger eingeschätzt würde. Die meisten Epidemiologen empfehlen aufgrund der jüngsten Entwicklung – bundesweit lag die Infektionszahl auch noch am Dienstag deutlich höher als in der Vorwoche – striktere Einschränkungen. Mit dem Argument, dass durch die aggressivere britische SARS-CoV-2-Variante die Krankenhäuser überlastet werden könnten, weil durch diese auch ein höherer Anteil an Intensivpatienten und entsprechend Todesopfer zu erwarten sei. Der Vergleich der Zahlen bestätigt diese Befürchtung zumindest in Hessen bisher nicht. So waren am 16. Februar bei einer vergleichsweise niedrigen Inzidenz von gerade 55,6 landesweit an einem Tag 45 Tote zu beklagen. Am Mittwoch dieser Woche, bei einer Inzidenz von 162 (!), waren es 22, obwohl die britische Variante seit dem Winter immer mehr Anteil an den nachgewiesen Infektionen gewonnen hat.

Die Annahme der Forschung, dass es einen wesentlichen Unterschied für die Übertragungsgefahr macht, ob sich die Zusammenkünfte der Menschen in Innenräumen oder draußen abspielen, dürfte sich hier bereits bremsend auswirken, der Gesetzentwurf, der in dieser Woche noch intensiv diskutiert werden dürfte, ignoriert dies hingegen, denn er zielt offenbar nicht zuletzt auf die ausufernden Treffen in den Parks und an den Uferpromenaden ab.

In der Tat lässt sich der sprunghafte Anstieg der Infektionszahlen nach den Ostertagen nur so erklären, dass – mit der üblichen Verzögerung von einigen Tagen – offenbar wird, dass zu viele Bürgerinnen und Bürger über die Festtage nicht die gebotene Sorgfalt bei ihren Kontakten walten ließen. Trotz der inzwischen starken Ausweitung der (jedem einmal wöchentlich kostenlos zustehenden) Testmöglichkeiten müssen, wie schon zu Weihnachten, wieder viele Virusträger/innen, ob bewusst oder unbewusst, enge Kontakte gepflegt haben, die nicht angebracht waren.

Im Main-Taunus-Kreis erschweren zwei Punkte die Einordnung der Infektionsentwicklung deutlich: Als eines der wenigen Gesundheitsämter ist das im Hofheimer Kreishaus an den Wochenenden nicht aktiv und meldet keine aktuellen Daten. Dadurch kumulieren die Zahlen an den ersten Wochentagen. Das wäre für das Wochenergebnis natürlich egal, das Land weist dadurch in seinen täglichen Erhebungen aber zeitweise eine zu niedrige Inzidenzzahl für den MTK aus. Am Dienstag wies das Land durch den Nachholeffekt eine Inzidenz von 177 für den Kreis auf, der selbst vom Wert 120 ausging - theoretisch müsste sich die auch durch die unterschiedlichen Erhebungs-Uhrzeiten (Land 0 Uhr, MTK 12 Uhr) verursachten Diskrepanzen im Laufe der Woche ausgleichen.

Dass die Datenweitergabe zwischen Kreis und Land nicht fehlerfrei funktioniert, zeigt sich auch dadurch, dass nicht einmal bei der faktischsten aller Erhebungen Übereinstimmung herrscht. So waren mit Stand am Mittwoch laut Landeszahlen 163 Menschen aus dem Kreisgebet seit März 2020 dem Virus zum Opfer gefallen, das Kreis-Gesundheitsamt geht von über 190 aus. Die Wahrheit kann kaum in der Mitte liegen.

Alles, vor allem, was die Hoffnungen auf weitreichende Öffnungen etwa der Innengastronomie und der Kulturräume im Frühjahr oder frühen Sommer angeht, kann offenbar nur über ein deutlich erhöhtes Tempo bei den Impfungen erreicht werden. Mit den Bemühungen geht es im Main-Taunus-Kreis durch die begrenzten Impfstofflieferungen aber weiterhin genauso schleppend voran wie überall in der Impf-Debakelzone Deutschland.

Durch den Einstieg einiger Hausarztpraxen in die Impfungen sind die genauen Zahlen der erfolgten Impfungen dem Kreis-Gesundheitsamt nicht mehr bekannt. Es kann lediglich die Zahlen aus dem eigenen Impfzentrum in Hattersheim und der hauseigenen mobilen Impfteams benennen. Demnach waren am Dienstag 31.817 Bürgerinnen und Bürger des Kreises einmal, weitere 11.883 zum zweiten Mal bei der Impfung. Die Quote liegt damit bei rund 13,3 Prozent der Erstgeimpften und 4,9 Prozent mit dem Vollschutz, plus eben einiger Impfungen in den Arztpraxen. Hessen lag laut Robert-Koch-Institut am Dienstagmittag bei 15 Prozent Erst- sowie 6,6 Prozent vollständig Geimpften, die Werte liegen in den einzelnen Bundesländern nicht weit auseinander.

Der Kreis hängt mit seinen Werten ein Stück weit dem Landesdurchschnitt hinterher. Vergangene Woche meldete das Gesundheitsamt zwar Probleme mit der Terminwahrnehmung durch einige Bürgerinnen und Bürgern, ganz offensichtlich eine Folge der Verunsicherung durch die berichteten Probleme mit dem AstraZeneca-Vakzin. Um Terminverluste zu vermeiden, gibt es inzwischen eine Online-“Impfbrücke“, eine Art Warteliste Impfberechtigter, die terminlich flexibel sind und ansonsten verfallende Impftermine kurzfristig wahrnehmen können – Infos dazu unter

Das Landratsamt empfiehlt den Bürgerinnen und Bürgern inzwischen die Anmeldung bei der Nachverfolgungs-App „Luca“ (siehe Meldung), die von mitmachenden Hotels, Gastronomen und Kultureinrichtungen wegen der aktuellen Verfügungslage zwar noch nicht genutzt werden kann – aber wenn sich dies durch konstante Inzidenzen unter 100 ändern sollte, wäre die Öffnung unter den Bedingungen der Teilnahme an solchen Registrierungsmodellen wahrscheinlich. Auch das Land hat den Einsatz der App beschlossen, das aber – das war schon bei der Corona-App der Fall – auf Geräten mit älteren Betriebssystem nicht geladen werden kann.

Flörsheimer Zahlen

In Flörsheim gab es (mit Stand Dienstag) seit März 2020 genau 774 Corona-Nachweise. Es waren aktuell 67 Flörsheimerinnen und Flörsheimer infiziert. Das ergab eine Inzidenz von 147 und damit hinter Eschborn (217) und Sulzbach (188) den dritthöchsten Wert unter den zwölf Kommunen im MTK. Das ist bedeutend mehr als zu Tiefzeiten der Inzidenz im Kreis im Winter. Als etwa der Wert am 11. Februar der MTK bei einer Inzidenz von 40 lag, hatte Flörsheim nur 18 aktuelle Fälle und lag mit seiner Inzidenz von 28 deutlich unter dem kreisweiten Schnitt.

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