Auch wenn die Feiertage und Ferienzeit bereits vorbei sind, bleiben die Angebote an Freizeitereignissen aktuell noch dünn gesät. Selbst die Fastnachtsvereine, deren heiße Zeit unmittelbar bevorsteht, hielten am vergangenen Wochenende noch die Füße still. In diese Lücke stößt in Weilbach seit einigen Jahren die Turngemeinde. Zum einen mit dem Silvesterlauf, der definitiv letzten sportlichen Veranstaltung in Flörsheim in jedem Jahr. Ob es im engeren Sinne als sportliche Aktivität einzuordnen ist, was sich zum anderen am Sonntag auf dem Vereinsgelände tat, darüber kann man sicher streiten. Lohnt aber nicht, denn es geht der TGW mit ihrem „Tannenbaum-Weitwurf“ vor allem darum, die Weilbacherinnen und Weilbacher an einem Nachmittag auf ihrem Gelände zu versammeln. Ein erster Treffpunkt im neuen Jahr, keineswegs nur für Mitglieder gedacht.
Im achten Jahr organisierten Silke Schneider, sonst in der Mitgliederverwaltung des Vereins tätig, und Turn-Abteilungsleiter Michael Rippel die Veranstaltung. Die etablierte sich schnell im Weilbacher Kalender, wuchs ebenso schnell, erfuhr aber natürlich immer auch konzeptionelle Erweiterungen und Veränderungen. Es werden zwar Sieger- und Rekordlisten erstellt, ausgedruckt, aufgehängt und im Internet veröffentlicht, alles ist aber nicht allzu ernst zu nehmen – und dass die Teilnehmer das verstehen, war am Sonntag auf dem Vereinsgelände und in der Turnhalle auch durchweg zu spüren.
„Begonnen hat alles mit dem Weitwurf“, erinnert Schneider an die ersten Jahre. Aber die TG hat auch eine Leichtathletiksparte und verfügt daher auch über eine Hochsprunganlage – es dauerte nicht lange, bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass man Tannenbäume nicht nur weit, sondern auch hoch werfen kann. „Das ist gleich gut angenommen worden“, berichtet die Organisatorin, dass sich die Neuerung vor einigen Jahren sofort etablierte. Inzwischen ist aus dem einfachen „Tannenbaum-Weitwurf“, auch wenn es der Titel der Veranstaltung bleibt, ein „Santa-Claus-is-gone-Dreikampf“ geworden. Neben Weit- und Hochwurf wird eine jährlich wechselnde, dritte Aufgabe geboten, ganz ohne einen Tannenbaum in die Hand nehmen zu müssen. Die Teilnehmer bekommen beim Einstieg in den Wettkampf einen Laufzettel, auf dem die Leistungen an den drei Stationen einzutragen sind, so werden die Gesamtsieger, aber auch Rekordhalter ermittelt.
Dieses Jahr war in der Sporthalle eine Geschicklichkeitsaufgabe als dritter Teil zu erledigen. Kleine Christbaumkugeln, eine Hälfte in einem helleren, die andere Hälfte in einem dunkleren Rot gefärbt, mussten möglichst schnell, aber ausschließlich mit einer Hand Kugel für Kugel von ihrem Körbchen in einen Karton mit 25 Fächern umgebettet werden. Dies aber nach einem auf einer Aufgabenkarte vorgegebenen Muster, die verdeckt auf dem Tisch lag und erst mit dem Start der Stoppuhr umgedreht werden durfte. Die falsche Farbe in einem der Fächer gab einen satten Zeitaufschlag von 20 Sekunden bei den Erwachsenen und zehn Sekunden bei Kindern – also trotz des Kampfes gegen die Zeit besser noch mal überprüft, ob alles stimmt, bevor man die Stoppuhr anhält.
Getrennt gemessen und ausgewertet werden die Leistungen in allen drei Wettbewerben nach Männern, Frauen und Kindern (bis 13 Jahre). Rekordergebnisse gibt es in allen drei Gruppen immer wieder einmal. Aber während beim Weitwurf das zur Verfügung stehende Gelände nicht ansatzweise ausgelastet wird, hat sich beim Hochwurf ein Problem ergeben: Die durch die Hochsprunganlage begrenzte Höchstmarke von 2,50 Meter wird inzwischen von sehr vielen Teilnehmern erreicht, was nicht im Sinne des Erfinders ist. Das hat auch damit zu tun, dass sich das Orgateam dazu entschloss, die in den ersten Jahren verwendeten größeren Bäume durch in Form und Gewicht weitgehend einheitliche, kleinere zu ersetzen. Dies nicht zuletzt aus Verantwortung gegenüber den Teilnehmern, wie Schneider erläutert: „Mit den schwereren Bäumen kann man sich weh tun beim Werfen.“
Die Lösung, die ihr für das Problem vorschwebt: „Wir werden die Abwurfpunkte nach hinten verlegen.“ Mehr weit heißt weniger hoch, lautet die klare Formel, die die 2,50 Meter wieder zur Ausnahme machen sollen. Schneider und Rippel lassen sich jedes Jahr von den Helferinnen und Helfern an den Stationen berichten, welche Probleme sie mit den Abläufen oder Regeln wahrgenommen haben, „wir lernen daraus und reagieren“. Klingt fast schon wieder zu perfektionistisch für eine lockere Veranstaltung, aber natürlich möchten alle auch Aufgaben erfüllen, die funktionieren.
Die Siegerlisten des Vorjahres und die Rekordhalterliste sind an die Hallenwand gepinnt, für alle, die sich vergleichen und einordnen wollen. Die neuen Listen werden demnächst auf den Internetseiten der TG Weilbach nachzulesen sein. Bei den Wettkämpfen machten in diesem Jahr 75 Teilnehmer im Alter zwischen einem und 71 Jahren mit. Beim Debüt 2017 waren es seinerzeit 37. Die Wettkämpfe werden in einem begrenzten zeitlichen Rahmen von zwei Stunden gehalten. Eine halbe Stunde später, also gegen 17.30 Uhr, geht es dann schon zur Siegerehrung – und recht bald danach endet auch der gemütliche Teil, selbst in Jahren, in denen es wärmer ist als diesmal, als leichte Frostgrade herrschten, was aber kein Problem war. Die Helferinnen und Helfer haben noch einiges aufzuräumen nach der Veranstaltung, auf dem Gelände wie in der Halle. Da gab es keinen Aufschub: Schon am Montagvormittag begann dort schließlich der neue TGW-Kurs „Line Dance“.
Die Ergebnisse 2026
Tannenbaum-Weitwurf
Bei Männer wie Frauen gab es in diesem Jahr neue Rekordwerte.
Männer:
- 1. Jan Göttmann, 8,34 Meter (bisheriger Rekord: 7,53 Meter von Christian Uhlemann, 2023).
- 2. Valts Alsberg, 7,83 Meter.
- 3. Lars Schneider, 7.39 Meter.
Frauen:
- 1. Talitha Legler, 5,18 Meter (bisheriger Rekord 5,13 Meter Cora Schneider, 2024).
- 2. Anja Hohmann, 4,84 Meter.
- 3. Cora Schneider, 4,74 Meter.
Santa-Claus-is-gone-Dreikampf
- Mädchen: 1. Julia Krämer (Jahrgang 2013); 2. Nora Dippel (2017); 3. Livia Ronde (2021).
- Jungen: 1. Conrad Tony (2014); 2. Oskar Torinomi (2021); 3. Jonas Kiel (2020).
- Frauen: 1. Charlene Göttmann (1988); 2. Cora Schneider (2002); 3. Anja Hohmann (1990).
- Männer: 1. Jan Göttmann (1987); 2. Valts Alsbergs (1988); 3.Johannes Weilbächer (1987).




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