Ein Sonntag ganz im Zeichen der Feuerwehr

Tag der offenen Tür der Feuerwehr Hattersheim am Main fand endlich wieder im bekannten Ausmaß statt

Bürgermeister Klaus Schindling hielt eine kurze Ansprache zur feierlichen Übergabe des neuen Wechselladers. Links von ihm Stadtbrandinspektor David Tisold.

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause war es am vergangenen Sonntag endlich wieder so weit: Die Feuerwehr Hattersheim am Main konnte ihren traditionellen Tag der offenen Tür wieder vollumfänglich durchführen. 2021 feierte man noch im abgespeckten Rahmen "112 Jahre Feuerwehr Hattersheim" mit einer historischen Bildergalerie und weiteren Attraktionen auf dem Marktplatz Hattersheim. Nun war wieder alles am Start: Ein Kinderprogramm mit Hüpfburg, eine vielfach bestaunte Fahrzeugausstellung, eine begehbare Fahrzeughalle, Schauübungen (auf dem Gelände des Bauhofes) sowie Grill- und Kuchentheken, und das alles rund um die Feuerwache in der Schulstraße. Auch drei Mitglieder der Minifeuerwehr konnten an die Jugendfeuerwehr, sowie ein Mitglied der Jugendfeuerwehr an die Einsatzabteilung feierlich übergeben werden.

Um 11 Uhr ging es los, der Andrang war direkt riesig. Zur Mittagszeit tollten zahllose Kinder durch die beeindruckenden Feuerwehrfahrzeuge, während es sich viele Erwachsene bereits mit Leckereien an den Tischen und Bänken bequem gemacht hatten, der Musik lauschten - und auf die offizielle feierliche Übergabe des neuen Wechselladerfahrzeuges durch Bürgermeister Klaus Schindling warteten.

Neuer Wechsellader

Stadtbrandinspektor David Tisold hieß die vielen Zuschauerinnen und Zuschauer herzlich willkommen und wagte zunächst eine kurze Reise in die jüngere Historie, um aufzuzeigen, warum es für Hattersheim wichtig ist, ein solches Wechselladerfahrzeug in der Feuerwehrflotte zu haben. Maßgeblich ausschlaggebend für die Anschaffung des direkten Vorgängerfahrzeuges war das Hochwasser im Jahre 2003. Vielerorts kam es damals im Stadtgebiet zu "ganz erheblichen Schäden", rief Tisold in Erinnerung. Das Schwimmbad war unter anderem stark betroffen, ebeno die Liegenschaften zahlreicher Einwohnerinnen und Einwohner, und der Einsatz dauerte für die Feuerwehr über eine Woche lang an, bis sich das Hochwasser endlich wieder zurückzog und der Schwarzbach wieder abfließen konnte.

Vor diesem Hintergrund drängte sich die Frage auf, wie man künftig einen noch wirksameren Hochwasserschutz gewährleisten könnte. Um auf derartige Ereignisse besser reagieren zu können, entschied man sich für Investitionen in die Technik. Das neue Fahrzeug sollte für den Einsatz im Hochwasserfall optimiert sein, ausgestattet mit einem "Abrollbehälter Hochwasser" mit Stromaggregat und mobilen Sandsack-Füllmaschinen. Da aber zum Glück nicht jährlich mit solchen Ereignissen zu rechnen ist und ein kostspieliges Feuerwehrfahrzeug auch sonst einen praktischen Nutzen haben soll, entschied man sich für ein Fahrzeug mit einem modularen Aufbau, das unterschiedliche Arten von Material zur jeweiligen Einsatzlage bringen kann. Und dies ist mit einem solchen Wechselladerfahrzeug möglich.

Die Wahl fiel damals angesichts anderer finanzieller Rahmenbedingungen auf ein Gebrauchtfahrzeug, das bereits "zehn Jahre auf der Uhr hatte", so Tisold, was aber für einen derartigen LKW nichts besonderes sei. Bis heute ist das Gefährt bei der Feuerwehr Hattersheim im Dienst, aber über die Jahre hinweg kristallisierte sich ein neuer Bedarf heraus und man stellte anhand der Einsatzerfahrung fest, dass man an den Leistungsdaten etwas ändern müsse. Man sah die Notwendigkeit für mehr Hubkraft und einen längeren Kran.

Und genau bei diesen Punkten weiß das neue Wechselladerfahrzeug auch besonders zu glänzen: Der Kran kann nun auf beachtliche 22 Meter ausgefahren werden - beim Vorgänger war bereits bei sieben Metern Sense. Und auf drei Meter ausgefahren konnte das alte Gefährt ein Gewicht von 2.650 Kilo heben, wohingegen der neue Stolz der Feuerwehr satte 6,5 Tonnen bewegen kann. "Daran sieht man schon: Die Dimension des Autos ist natürlich größer geworden", stellte David Tisold fest, und zusätzlich investierte man auch in einen Allradantrieb und diverse Anbauteile, wie zum Beispiel eine Steinstapelzange. Diese kommt beispielsweise bei Festivitäten im Stadtgebiet zum Einsatz, wenn das Sicherheitskonzept verlangt, die Zufahrtsstraßen zu Veranstaltungen mit Betonblöcken auszustaffieren. 75 davon wurden in den vergangenen Jahren angeschafft, und die Feuerwehr kann diese Blöcke somit dank der speziellen Zange via Wechsellader zu ihrem Bestimmungsort bringen - und wieder zurück ins Betonblocklager. Weitere Anbauteile sind ein Arbeitskorb, ein Restholzgreifer sowie ein elektrisch gesteuerter Wasserwerfer.

Kostspielige Investition in die Sicherheit

Natürlich steuert sich so ein spezielles Fahrzeug nicht wie von selbst oder wie der nächstbeste PKW. Der Bedarf an Ausbildung sei sehr hoch, berichtete Tisold, gerade mit dem Kran müsse man sehr feinfühlig arbeiten. Einige Kameraden hätten bereits einen Kranschein gemacht, weitere werden folgen und eine offizielle Werkseinweisung wird auch noch folgen, so dass man hofft, dass das Fahrzeug auch in wenigen Monaten in den offiziellen Einsatzdienst gehen kann.

"Hochachtung" zollte der Stadtbrandinspektor der Stadt Hattersheim am Main, die in den Katastrophen- und Brandschutz "sehr, sehr viel Geld" investiere. Knapp 600.000 Euro habe dieses neue Fahrzeug samt Anbauteile gekosten. "Das ist ein ganz großer Sprung für die Gefahrenabwehr hier in Hattersheim", resümierte Tisold zufrieden.

Wertschätzung und Respekt

Bürgermeister Klaus Schindling zeigte sich erfreut und beeindruckt angesichts der großen Anzahl an Besucherinnen und Besuchern, die an diesem Tag den Weg zur Feuerwache gefunden hatten. Man habe mit den Feuerwehren der Stadt Hattersheim den einzigen Primärrettungsdienst im gesamten Umkreis, der sich auf freiwilliger Basis organisiert, stellte der Bürgermeister fest. Denjenigen, die bereit sind, diesen Dienst an den Bürgerinnen und Bürgern unentgeltlich zu erbringen, sei "allergrößte Wertschätzung und Respekt" zu zollen, so der Rathauschef. Und seitens der Stadtverwaltung, der Stadtregierung und des Magistrats sei man deshalb dazu angehalten, diese Kameradinnen und Kameraden mit den bestmöglichen technischen Hilfsmitteln auszustatten und so eine optimale Personenrettung und Lagebekämpfung durch die Feuerwehr zu ermöglichen. Und Geld, dass in die Sicherheit der Bevölkerung investiert wird, sei gut investiertes Geld, stellte Bürgermeister Schindling schließlich fest.

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