Leserbrief Ja zum Erhalt unserer Grünflächen, nein zu weiteren Rechenzentren

Ich lebe seit über 30 Jahren in Hattersheim. Ende 1998 bin ich mit einem Teil meiner Familie in die Heddingheimer Straße gezogen. Seit ich denken kann, bin ich stets mit großer Freude in Richtung Felder gelaufen und war zu jeder Tages- wie Jahreszeit unermesslich dankbar für das Geschenk unserer gegebenen Natur - und das direkt vor der Haustür.

Es gab immer wieder Pläne, die Heddingheimer Straße auszubauen und ich bin wiederholt und erneut dankbar, dass dies bisher nicht geschehen ist. Denn alleine der Blick auf die Felder, in das Licht und abends in den Himmel mit seinen Farben hat jedes Mal mein Herz erfreut. Der Gedanke, dass all dies bald der Vergangenheit angehören könnte, macht mich nicht nur traurig, sondern auch extrem fassungslos. Es macht mich schlaflos und hat meinen Stresspegel ungemein erhöht.

Seit ich mich so intensiv mit der Thematik befasse, bin ich nicht nur dauerhaft mit meiner eigenen Betroffenheit und emotionalen Angespanntheit konfrontiert, sondern ich habe zudem das Gefühl, in luftleerem Raum unterwegs zu sein und gegen Windmühlen zu treten: Fast jeden, den ich auf die Pläne der Stadt befrage, weiß überhaupt nichts darüber. Wenn meine Mutter und ich Nachbarn oder Bekannten oder Bürgern unserer Stadt den Ausbau in all seinen – bisher gesammelten – Aspekten darlegen, ist die Erschütterung nicht selten groß. Und im nächsten Moment tritt dann zusätzlich eine allumfassende Resignation ein. „Ach, ist das ja furchtbar. Nein, wir wollen das nicht – aber was soll man machen. Man kann ja eh nichts tun. Wenn das 'von oben' erst einmal beschlossen ist und durchgeboxt werden soll, dann ist der Drops doch eh gelutscht.“

Viele dieser Menschen fühlen sich ohnmächtig, weil sie nicht wissen, was sie tun sollen und an wen sie sich wenden können. Wo man anfangen soll. Also ist „man“ jeder andere und „man selbst“ ist eben raus. Ich sage ehrlich, dass ich mich auch oft so fühle. Ich bin verzweifelt und weiß nicht, wo ich anfangen soll. Gleichzeitig sind wir alle „man“. Und ich will hinterher sagen können, dass ich alles versucht habe, was in meiner Macht steht. Und ich in die Eigenverantwortung für mein Handeln oder eben für mein Unterlassen gehen kann und auch muss.

Svenja Stöbbe, Hattersheim

Petition gestartet

Svenja Stöbbe hat am Montag, 29. Januar, eine Petition gestartet habe, die zum Erhalt der Grünflächen in Hattersheim aufruft und sich klar gegen den Bau eines weiteren Rechenzentrums ausspricht:

https://www.change.org/p/ja-zum-erhalt-unserer-grünflächen-in-hattersheim-nein-zu-weiteren-rechenzentren?recruiter=311884445

"Es tut unfassbar gut zu sehen, dass mittlerweile bereits über 1.320 Menschen diese Petition unterschrieben haben. Ich hoffe, dass sich diese Zahl noch verdoppeln wird ehe die Frist zur Offenlage der Bebauungspläne der Stadt abläuft", zeigte sich Svenja Stöbbe am Montag erfreut über die bisherige Resonanz.

Die Offenlage zur Änderung des Regionalen Flächennutzungsplans beim Regionalverband Frankfurt Rhein-Main endet am heutigen Donnerstag, 8. Februar.

Bezüglich der Aufstellung des Bebauungsplans N116 durch die Stadt Hattersheim am Main endet die Offenlage am Mittwoch, 14. Februar.

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