Leserbrief Hattersheimer Tierheim – ein Herz für Tiere?

Am 15. August 2025 nachts entdeckten wir auf der Heimfahrt auf der Landstraße zwischen Flörsheim und Eddersheim eine verängstigte streunende Katze – weit weg von jeglichen Häusern. Wir hielten an aber sie lief ängstlich weg. Am nächsten am Tag fuhren wir wieder zu der Stelle und fanden die Katze in Entfernung erneut vor. Eine Bekannte berichtete, wie sie einen Mann beim Hundespaziergang gesehen hat, der womöglich Katzen ausgesetzt hat. Sofort machten wir uns nun intensiver auf die Suche und stellten Futter an die Stelle.

Jeden Morgen und Abend waren wir zum Suchen da, anfänglich war das Futter oft auch leer. Nach mehreren Tagen suchen verlief sich leider die Spur, weshalb wir die Suche erstmal eingestellten. Wie kann ein Mensch sowas tun und einfach Katzen aussetzen?

Am 2. Oktober wurde eine Katze Nähe der A3 an der besagten Landstraße gesichtet, welche von Heuballen zu Heuballen rennt. Wir waren voller Hoffnung, dass „unsere“ Katze noch lebt und machten uns direkt auf die Suche. Wir fütterten ihn zwei Wochen morgens und abends an, bis er abends sogar täglich auf uns wartete.

Wir wollten nur das Beste für die Katze und holten das Tierheim Hattersheim mit ins Boot. Auch wenn wir die Kapazitäten gehabt hätten, ihn aufzunehmen, wollten wir wegen eventuellen Krankheiten auf Nummer Sicher gehen – schließlich sind sie ja auch die Experten bei solchen Funden. Da wir selbst zwei Kater haben, wissen wir, wie wichtig und gründlich auf die Gesundheit der Tiere geachtet werden muss.

Nach einer weiteren Woche Füttern, stundenlangem Suchen und Warten in der Kälte, konnten wir den Kater – Fussel haben wir die kleine Maus getauft – endlich sichern und in einer winzigen Isolationsbox nach Hattersheim bringen. Auch hier haben wir ihn mehrmals, auch mit einer Futterspende, besucht, da der kleine Streuner uns über die mehreren Wochen sehr ans Herz gewachsen ist. Wir waren so glücklich und dankbar, ihn sichern zu können, und nach reiflicher Überlegung entschlossen wir uns, ihm ein Für-Immer-Zuhause zu schenken. Mit unserer – eigentlich doch sehr schönen – Nachricht, bekamen wir von der Angestellten des Tierheims jedoch eine Absage. Es gäbe mehrere Interessenten für Fussel und ob wir ihn gefunden haben spielt dabei keine Rolle. Zudem seien wir zu nahe am Fundort - drei Kilometer durch den gesamten Ort und die Brücke der A3 dazwischen wäre eine zu niedrige Distanz zum Fundort.

Nach mehreren Tagen Kämpfen, E-Mails-Schreiben und Hoffen, wurde Fussel nun anderweitig vermittelt, was für ihn sicher eine schöne Nachricht ist. Uns bricht es das Herz! Wir können die mehr als fragwürdige Entscheidung nicht nachvollziehen, besonders, wenn man die viele Zeit, Mühen und vor allem Liebe, die wir investiert haben und auch Fussel uns entgegenbringt, betrachtet. Er entwickelte sich von einem scheuen Kater zu einem richtigen Schmuser. Wir sind traurig, sauer und enttäuscht zugleich, dass uns diese Möglichkeit verwehrt bleibt, ihm ein schönes zu Hause bieten zu können. Wir hoffen, dass uns der Landestierschutzverband Hessen noch helfen kann, die Entscheidung zu revidieren.

Und dennoch wird immer mehr hinterfragt, warum Tierheime überlaufen sind und Tiere noch immer bei Züchtern gekauft werden. Vielleicht sollte auch im Wohle des Tieres solche Entscheidungen für ein Für-Immer-Zuhause überdacht werden, denn auch Tiere wissen, wer Ihnen hilft, geholfen hat und grenzenlose Liebe entgegnet.

Familie Gärtner, Hattersheim

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