Der Flörsheimer Carneval Verein (FCV) hat am Freitagabend mit seiner zweiten ausverkauften Sitzung einmal mehr Maßstäbe gesetzt. Rund fünf Stunden lang bot der Verein in der Stadthalle ein umfassendes Fastnachtsprogramm aus Gesang, Tanz, Büttenreden und Showeinlagen – ohne spürbare Längen. Damit bestätigte der FCV seinen Ruf als feste Größe der regionalen Fastnacht.
Unter dem Motto des „Hotel Ritz am Moo“ setzte der FCV auf ein stimmiges Gesamtbild mit einem großartigen Bühnenbild, das den Abend von Beginn an prägte. Bereits beim Warm-up der FCV-Showband kam das Publikum in Stimmung, ehe um 19.11 Uhr das Eröffnungsspiel den offiziellen Start markierte. Sitzungspräsident und Vereinsvorsitzender Sascha Jung begrüßte die Gäste und führte durch das Programm.
Mit seinem Protokoll setzte Felix Heeg gleich zu Beginn einen inhaltlichen und humorvollen Akzent. Ausgangspunkt war sein vermeintlicher Rückzug in den Ruhestand, den er augenzwinkernd als gescheitertes Experiment schilderte. Die neu gewonnene Freizeit habe ihn zu kulturellen Ausflügen, handwerklichem Aktionismus und optimierten Haushaltsabläufen verleitet – sehr zum Leidwesen seiner Frau, die ihm schließlich nahelegte, sich dringend eine neue Beschäftigung zu suchen.
Johannes Pschierer nahm anschließend in seinem Vortrag „Nachwuchs für die Bundeswehr“ die Wehrpflicht-Debatte mit viel Wortwitz aufs Korn. Mit absurden Szenen aus Rekrutierung und Ausbildung konterkarierte er martialische Schlagworte mit Alltagslogik und landete schließlich bei einer klaren Botschaft: Statt Kriegstüchtigkeit brauche es mehr Friedenstüchtigkeit.
Für tänzerische Abwechslung sorgte das Männerballett „Horny Hornets“ mit der „shreklich schönen Sumpfgeschichte“. Jutta Schlosser traf mit ihrem Vortrag als „Betty Berzel im Hotel“ den Nerv des Publikums. Mit Selbstironie, pointierten Beobachtungen aus Arztbesuchen, dem Eheleben und dem Familienalltag – inklusive schlagfertiger Enkel – sorgte sie für zahlreiche Lacher und viel Wiedererkennungswert.
Danach nahm Dr. Patricia Lowin mit ihren „Halldiegail-Nachrichten“ das Zeitgeschehen aufs Korn. Mit Nachrichten aus aller Welt verband sie Wortwitz mit feiner Satire zu Politik, Kirche, Sport und Weltgeschehen. Tänzerisch überzeugte anschließend Cassiopeia mit dem Tanzmenü „Cassiopeia à la Carte“, bevor sich der Fokus des Abends verlagerte.
Den emotionalen Mittelpunkt der Sitzung bildete der Abschied von Hansi Greb. Das FCV-Urgestein, dem Publikum seit Jahrzehnten als „Hobbes“ vertraut, kündigte seinen Rückzug von der Bühne an. Mit Blick auf seinen bevorstehenden 71. Geburtstag zog Greb eine persönliche Bilanz von 45 Jahren Fastnacht – offen, selbstironisch und ohne große Gesten. Er sprach von Momenten, die gelungen seien, von solchen, die daneben gingen, und von all dem, was ihn in dieser Zeit bewegt habe.
Dabei wurde deutlich, welchen Stellenwert die Fastnacht für ihn hatte und welche Bedeutung das Publikum für seinen Weg spielte. Greb betonte die Wertschätzung und Sympathie, die ihm über Jahrzehnte entgegengebracht worden seien, und machte klar, dass dieser Rückhalt für ihn stets Antrieb gewesen sei. Als Greb schließlich Hut und Handschuhe ablegte, wurde es im Saal spürbar still.
Sitzungspräsident Sascha Jung griff diesen Moment auf und würdigte Grebs Wirken. Er erinnerte an mehr als vier Jahrzehnte Bühnentätigkeit, an Grebs Rolle als Netzwerker in der regionalen Fastnacht sowie an seine 25 Jahre als Vorsitzender des Vereins. Mit dem symbolischen Angebot eines lebenslangen Zimmers im „Hotel Ritz am Moo“ unterstrich Jung, dass der FCV Greb auch über seinen Bühnenabschied hinaus tief verbunden bleiben werde.
Was folgte, war ein Moment, der vielen in Erinnerung bleiben dürfte: Das Publikum erhob sich geschlossen und spendete dem FCV-Urgestein mehrere Minuten lang stehende Ovationen – ein Abschied, der den Saal sichtbar bewegte und auch den scheidenden Büttenredner nicht unberührt ließ.
Nach der Pause leitete die FCV-Showband den weiteren Verlauf des Abends ein. Die Altrheingarde Ginsheim sorgte für Mitsingmomente, ehe Johannes Bersch und Michael Zahn im Zwiegespräch „Zwei Mütter ihrer Kinder“ überzeugten. Sascha Jung präsentierte anschließend gemeinsam mit der Showband das Lied „Zur Fassenacht im Ritz am Moo“.
Maurice Müller nahm als „En Ameenzon-Fahrer“ den Alltag moderner Paketboten humorvoll unter die Lupe. Missverständnisse bei Zustellungen, Haustürklingelkameras, Algorithmen, Staus und Navigationssysteme verband er mit viel Selbstironie. Zum Schluss schlug er einen ernsteren Ton an und zollte allen Zustellern Respekt, die bei Wind und Wetter unterwegs sind.
Mediterranes Flair brachte anschließend Inkognito mit dem Tanz „Bella Italia“ auf die Bühne. Den Schlussteil leitete Dr. Markus Weber als „Fräulein Baumann, die Eisprinzessin“, ein. Bereits der erste Auftritt geriet zur Slapstick-Einlage, als sich die schrullige Figur in der Drehtür des Bühnenbildes verfing. Im großen Finale versammelten sich schließlich alle Aktiven noch einmal auf der Bühne, bevor Jung die Sitzung offiziell absagte und gegen Mitternacht der Schlussakkord gesetzt wurde.
Das Fazit fiel eindeutig aus: eine Prunksitzung ohne Durchhänger, mit starker Dramaturgie und durchgehend hochwertigen Beiträgen. Tempo, Vielfalt und ein geschlossen starkes Programm machten den Abend zu mehr als einer bloßen Aneinanderreihung von Programmpunkten und bestätigten den festen Platz des FCV im regionalen Fastnachtskalender.




Kommentare