Die Pfarrkirche Maria Himmelfahrt ist seit 150 Jahren geistliches und kulturelles Zentrum von Weilbach und dieses Jubiläum hat die Gemeinde am Sonntag mit einem großen Fest gefeiert. Ein feierlicher Gottesdienst, Grußworte, persönliche Erinnerungen und ein buntes Gemeindefest machten deutlich: Dieses Gotteshaus ist weit mehr als ein Bauwerk. Für viele ist es Heimat, Erinnerungsort und Hoffnungszeichen zugleich. Vertreter der Stadt und Gemeindemitglieder blickten nach dem Gottesdienst in ihren Reden zurück auf die Geschichte und hoben zugleich die Bedeutung des Glaubens für Gegenwart und Zukunft hervor.
Zum Auftakt versammelten sich die Gläubigen zu einem feierlichen Hochamt. Musikalisch wurde der Gottesdienst von der Offenen Musikgruppe unter der Leitung von Bettina Langer gestaltet. Neue Lieder, eigens für das Jubiläum einstudiert, trugen zur festlichen Stimmung bei.
„Maria Himmelfahrt ist seit eineinhalb Jahrhunderten Herz und Seele von Weilbach und soll es auch bleiben“, betonte Ortsausschussvorsitzender Dr. Ludwig Kuhlmann in seinem Grußwort. Auch Stadtrat Christopher Willmy überbrachte die Glückwünsche der Stadt und unterstrich die enge Verbundenheit von Kirche, Gemeinde und Gesellschaft.
Besonders berührend waren die Rückblicke langjähriger Wegbegleiter der Gemeinde. Rosi Reinelt, die von 1971 bis 2007 die Kindertagesstätte leitete, und Pfarrer Lorenz Eckardt, der 15 Jahre in Weilbach wirkte, überreichten gemeinsam ein Jubiläumsgeschenk: eine reich bebilderte Broschüre über die Kunstwerke von Thomas Reinelt. Der gebürtige Weilbacher Künstler (1950–2022) hatte Maria Himmelfahrt zeitlebens als seine religiöse Heimat empfunden.
Seine Werke – vom Osterkerzenleuchter bis zur Wandgestaltung im Gemeindehaus – sind Ausdruck gelebten Glaubens. „Zeitgemäße Ausdrucksformen wecken Aufmerksamkeit, regen zum Nachdenken an und machen Glauben erfahrbar“, sagte Eckardt. Damit setzten beide ein Zeichen, dass Tradition und Gegenwart in Maria Himmelfahrt Hand in Hand gehen.
In mehreren Beiträgen wurde deutlich, dass Glaube in Weilbach nicht als etwas Statisches verstanden wird. „Glaube lebt davon, dass wir ihn teilen, erzählen und gemeinsam erleben“, so Pfarrer Meudt. Auch Zweifel und Fragen hätten ihren Platz. Die Kirche sei, so sagte es Meudt, „nicht nur ein Bauwerk, sondern eine Erzählgemeinschaft des Glaubens“. Eine kleine symbolische Geste unterstrich diesen Gedanken: Die Übergabe von Äpfeln, Zeichen für Wachstum, Hoffnung und Beständigkeit. Einen ökumenischen Akzent setzte die evangelische Pfarrerin Inghild Klodt. Sie erinnerte daran, dass der Glaube keine Grenzen zwischen Konfessionen kennen dürfe und dass Maria Himmelfahrt seit 150 Jahren ein Ort sei, der Menschen unterschiedlicher christlicher Traditionen zusammenbringt.
Ein bewegender Moment war die Verabschiedung von Roswitha Majura, die über zwei Jahrzehnte als Küsterin tätig war und unzählige Gottesdienste, Feste und Feiern begleitet hat. Sie sorgte für geschmückte Altäre, vorbereitete Gottesdienste und eine Kirche, die „im wahrsten Sinne des Wortes zum Leuchten gebracht wurde“.
„Der Küsterdienst ist ein Dienst der Schönheit und der Treue“, würdigte Pfarrer Meudt ihre Arbeit. Als Dank überreichte die Gemeinde eine große Kerze – Symbol für das Licht, das Majura in die Kirche getragen hat. Gleichzeitig beginnt nun die Suche nach einer Nachfolge. Unterstützung erhielt sie in ihrer Amtszeit von vielen helfenden Händen, darunter Sonja Allendorf.
Nach dem Gottesdienst setzte sich die Feier im Gemeindehaus fort. Bei Sonntagsbraten, Salaten, Kuchenbuffet und Getränken nutzten viele die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und Erinnerungen auszutauschen.
Für einen besonderen Akzent sorgte Hermann Remsperger, gebürtiger Weilbacher und heute in Wicker zu Hause. In seiner Ansprache gratulierte er Maria Himmelfahrt herzlich zum Jubiläum und schlug einen originellen Bogen zur Kirchengeschichte. Augenzwinkernd merkte er an, „dass sogar der Sankt-Lorenz-Strom einmal mitten durch den Weilbacher Altarraum geflossen sein soll“. Den Schwerpunkt seines Beitrags legte er jedoch auf eine Persönlichkeit aus der Region: den päpstlichen Prälaten Matthäus Müller (1846–1895). Müller, in Wicker geboren und 1873 in Limburg zum Priester geweiht, sei „pädagogisch ein Pionier der Heimerziehung, theologisch ein Netzwerker in der Sozialpastoral und finanziell ein kreativer Verwalter in Zeiten klammer Kirchenkassen“ gewesen. Er habe Missstände klar benannt und zugleich beherzt gehandelt. „Kein Wunder, dass aus gut unterrichteten Himmelskreisen zu hören ist, Matthäus Müller sei vom kritisch-konstruktiven Geist und der Tatkraft in Maria Himmelfahrt tief beeindruckt – ebenso wie Teresa von Ávila von diesem Kirchort am Weilbach“, so Remsperger. Seine Botschaft: Möge dies auch in Zukunft so bleiben.
Die Geschichte von Maria Himmelfahrt ist ein Spiegel der Weilbacher Gemeinschaft. Als die alte Kirche Mitte des 19. Jahrhunderts zu klein und baufällig wurde, ordnete die Polizei sogar ihren Abriss an. Doch Aufgeben war keine Option: Mehr als 20 Jahre sammelte Johann Georg Fischbach Spenden, während Wilhelm Hanz die Baupläne vorantrieb. Die Weilbacher selbst packten kräftig mit an, schleppten über 200.000 Backsteine in Eigenleistung und feierten ihre Gottesdienste zwei Jahre lang in einer Notkirche.
Am 14. Oktober 1875 war es dann soweit: Mit einer feierlichen Einweihung durch Bischof Blum erhielt Weilbach sein neues Gotteshaus. Über 2.000 Besucher, darunter auch viele evangelische Christen, erlebten eine große Prozession durch das mit Tannenbäumen geschmückte Dorf, 150 weißgekleidete Kinder, Gesänge und ein abendliches Feuerwerk. „Es war ein Fest, das die Menschen nie vergessen haben“, heißt es in der Chronik.
Doch auch dieses Gotteshaus musste sich den Herausforderungen der Zeit stellen. In den 1920er-Jahren bröckelte die Decke so sehr, dass der Putz herabfiel. Legendär ist die Episode, als Küsterin Rosel Weilbacher in den 1990er-Jahren kurzerhand mit einem Gewehr lockere Putzstellen über dem Altar abschoss, um Besucher zu schützen – eine Anekdote, die bis heute für Schmunzeln sorgt.
Zum 125-jährigen Jubiläum im Jahr 2000 wurde die Kirche umfassend renoviert. In schlichter Weißfassung und mit den markanten Sandsteinsäulen erstrahlt sie seither in ihrer heutigen Gestalt. Möglich wurde dies durch eine „Talentaktion“, mit der die Gemeinde Geld sammelte: vom Jubiläumswein mit Etiketten des Künstlers Thomas Reinelt bis zur Gründung des „Theaters am Kirchturm“, das über 10.000 Euro beisteuerte.
Trotz aller Herausforderungen – von Renovierungen bis zu Vandalismusvorfällen – überwiegt in Weilbach die Zuversicht. „Wir Weilbacher lieben unser Gotteshaus“, sagte Marita Brose vom Ortsausschuss. „Es ist ein Ort der Ruhe, der Sammlung und des Vertrauens.“



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