Mit Atmosphäre und Flair

Eddersheims kleiner, aber feiner Markt

EDDERSHEIM (ak) – Eddersheimer Marktgespräche am letzten Donnerstag: „Wie geht es den Kindern?, Alle gesund?“, „Warum warst du denn nicht beim Landfrauen-Abend? Es war soo schön – heut‘ steht’s im Blättchen, das muss ich mir dann gleich holen!“, „Möchten sie den Brie erst mal probieren?“, „Wir machen immer Gemüse aus dem Kohlrabi“, „Also ich esse den roh!“, „Aber sie wissen schon: die Paprikabeißer sind scharf!“

 

Bei warmem Sonnenschein war die Atmosphäre unter den großen Bäumen zwischen den kopfsteingepflasterten Gassen vor dem Fachwerkhaus und im Schatten der Eddersheimer Kirche fast mediterran. Auf dem idyllischen kleinen Platz vor dem Begegnungshaus wurde nicht nur rege gekauft, es wurde auch rege kommuniziert.
Die Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft St. Martin Eddersheim hatten sich unter dem Dach des markanten Pavillons am Rande des Platzes mit Kuchen und Waffeleisen, kalten und warmen Getränken eingerichtet, bald wurde es zur gut besuchten „Kaffeetafel“. „Wir backen immer frische Waffeln, im Winter gibt’s bei uns auch Glühwein oder Weihnachtsplätzchen, jetzt hab‘ ich mal Erdbeermarmelade mitgebracht. Auf dem „alten“ Standort waren wir auch schon immer dabei, aber hier ist es einfach schöner, gemütlicher, hat Flair, das andere war ja eher eine Notlösung“, meinte Walburga Saal, „hier ist der Markt auf jeden Fall besser besucht, als er es dort war!“
Hannelore Hillebrandt bestellte sich wie immer eine der hausgemachten Waffeln und orderte gleich noch fünf mehr für ihre Enkel. „Also ich komme immer auf den Markt, wenn ich kann, hier kaufe ich Salat, Käse und auch manchmal was beim Metzger. Man muss so was unterstützen, wenn der Markt hier wieder verschwindet, sind die Eddersheimer selbst dran schuld!“, erklärte sie pragmatisch.
Auch wenn an diesem Tag „nur“ 4 Marktwagen den kleinen Platz füllten (der Marktbeschicker mit den „Mediterranen Köstlichkeiten“ konnte am letzten Donnerstag wegen eines Defektes an seinem Fahrzeug nicht nach Eddersheim kommen), war das Angebot erstaunlich vielfältig: Man fand nicht nur Paprikabeißer, Ritterblutwurst und Mombacher Bohnestängel, sondern auch Kartoffelbrot, Speck-Zwiebelbrot und Walnussbrot, Safrankäse, Südtiroler Bergkäse, Frischkäse in jeder vorstellbaren Version, selbstverständlich auch Handkäse, frische Bio-Eier, selbstgemachte Nudeln, frischen Spargel, Kräuter, Rhabarber, Salat – und noch einiges mehr, was zu einem Marktangebot gehört und kein Supermarkt in dieser speziellen Art anbieten kann.
Noch dazu bekommt hier jeder Kunde „seinen“ persönlichen, freundlichen und kompetenten Einkaufsberater hinter der Theke geboten, der nicht nur gerne berät, sondern genauso gerne auch mal zu einem Schwätzchen bereit ist. Auch die Marktbeschicker fühlen sich hier wohler als auf dem vorherigen Standplatz vor der alten Schule. Jürgen Scheid bietet Öko-Brot aus dem Hunsrück zum Verkauf, sein Umsatz hat sich gesteigert, seit der Markt im alten Ortszentrum stattfindet. Er ist sicher: „Der Standort hier im Zentrum hat viele Vorteile, hier kommt auch mal Laufkundschaft vorbei, nicht nur der „harte Kern“, das ist jetzt ein richtiger „Treff“ hier, so wie ein Markt sein soll. Wenn sich’s so weiter entwickelt, sieht es gut aus für den Eddersheimer Markt!“
Auch Jens Wolter im Metzgerei-Wagen findet: „Hier ist es definitiv besser als auf dem Schulhof, hier ist alles dichter – dort sah alles irgendwie wie hingestellt und nicht abgeholt aus, hier hat der Markt Atmosphäre und Flair. Es ist auch ein größeres Kundenaufkommen hier – und alle Stammkunden sind mitgekommen!“ „Wegen dem netten jungen Mann!“, wirft Sonja Habersack lachend von der Seite ein. Auch sie war vorher schon Stammkundin, findet den neuen Standort aber trotzdem besser: „Es ist wirklich schöner und gemütlicher hier!“
Auch Helmuth Harth vom Eddersheimer Bauernladen hat einen Stand mit frischem Gemüse und Eiern auf dem Markt, auch er ist verhalten optimistisch: „Hier kommen einfach mehr Leute vorbei, schon wegen der Eisdiele und dem Begegnungshaus, es wissen auch mehr Leute, wo der „Marktplatz“ jetzt ist und finden besser her. Vorher haben manche meiner Kunden aus dem Laden, die am Donnerstag was bei mir abholen wollten, den Platz vor der alten Schule gar nicht gefunden!“ Helmuth Harth weiß, dass sich von der Einwohnerzahl her ein solcher Markt in Eddersheim eigentlich rechnen müsste. „An den Preisen kann es nicht liegen, wenn die Kunden da etwa skeptisch sind, da können wir hier gut zum Beispiel mit Rewe oder Edeka mithalten“, erklärte er.
Auch Klaudia Dekiz vom „Käsetempel“ schloss sich dem Optimismus der Kollegen vorsichtig an: „Der Standort ist auf jeden Fall besser, ob der Markt besser wird, muss sich erst herauskristallisieren“, meinte sie, „die letzten beiden Male war es gut, heute ist es bei mir noch eher verhalten, aber es ist ja auch noch früh am Nachmittag.“ Das Ehepaar Riechwald vor ihrer einladenden Käsetheke mit der riesigen Auswahl, versuchte sich zu entscheiden, alles sieht sehr appetitlich aus. „Wir waren auch schon früher am alten Standort auf dem Markt einkaufen, aber hier ist es besser und schöner. Wir jedenfalls drücken dem Eddersheimer Markt die Daumen!“
Das wird leider nicht alleine ausreichen – die Eddersheimer insgesamt werden mit ihren Kaufgewohnheiten entscheiden, ob sie den schönen Anziehungs- und Treffpunkt in ihrer Ortsmitte am Leben erhalten wollen. Diejenigen, die schon mal dort eingekauft haben, werden sicher drum kämpfen, dass der Eddersheimer Markt erhalten bleibt.
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