Kommunale Wärmeplanung: Maßnahmenplan der Gemeinde

Klimaschutzmanagerin Melanie Laier und Erster Beigeordneter Martin Mohr stellten die aktuellen Themen vor

mpk

Am Mittwoch, 21. Januar, hatte die Gemeinde Kriftel in Zusammenarbeit mit der Syna GmbH und der HORIZONTE-Group AG zu einer zweiten Bürgerversammlung zum Thema Kommunale Wärmeplanung ins Rat- und Bürgerhaus eingeladen (wir berichteten). Bei der Kommunalen Wärmeplanung handelt es sich "um einen strategischen, lokal angepassten Fahrplan, wie die Gemeinde die Wärmeversorgung langfristig klimafreundlich, bezahlbar und verlässlich gestalten kann", heißt es auf der Homepage der Gemeinde.

Nachdem das Projektteam dem zahlreich erschienenen Publikum die bisher ermittelten Ergebnisse vorgestellt hatte, von der Bestands- über die Potenzialanalyse bis hin zur Gebietseinteilung, ging die Krifteler Klimaschutzmanagerin Melanie Laier auch konkret auf die Maßnahmen ein, welche die Gemeinde bislang auf dem Weg zum Erreichen der Klimaziele ins Auge gefasst hat.

Eine ganz wichtige Maßnahme ist Laier zufolge die Dekarbonisierung der kommunalen Liegenschaften. Viele gemeindeeigene Liegenschaften werden nach wie vor mit fossilen Brennstoffen betrieben, und daran soll sich künftig grundlegend etwas ändern.

Verwaltungsintern soll eine Arbeitsgruppe zum Thema Wärmewende gegründet werden, die sich mindestens einmal pro Quartal treffen soll, damit fachbereichsübergreifend weiter an den Zielsetzungen gearbeitet werden kann.

Die dritte angedachte Maßnahme ist eine weiterreichende Bewerbung des bereits bestehenden Beratungsangebots rund um das Thema Sanierung. Die Bekanntmachung dieses Angebots auf der gemeindeeigenen Homepage soll ausgebaut werden, zudem sollen Informationsveranstaltungen hierzu durchgeführt werden. "Es gibt an sich sehr viele Möglichkeiten sich beraten zu lassen oder auch Förderungen zu erhalten, und wir möchten weiter darauf aufmerksam machen", führte Melanie Laier weiter aus.

Die nächsten beiden Maßnahmen zielen darauf ab, die Kommunikation bezüglich der Gasnetztransformationsplanung und der Zielnetzplanung Strom zu intensivieren. Hierfür will man in einen ständigen Austausch sowohl mit dem Gas- aus auch dem Stromanbieter treten, so dass die Gemeinde Kriftel einen hilfestellenden Beitrag zur Erstellung der Aktionsplanung sowie der Zielnetzplanung Strom leisten kann. "Langfristig sollen die Gasnetze ja stillgelegt werden, darum soll natürlich auch sichergestellt werden, dass die Stromnetze auch genügend Kapazitäten haben, um die Wärmepumpen und auch die E-Mobilität ausreichend mit Strom versorgen zu können", fügte die Krifteler Klimaschutzmanagerin hinzu.

Im Bereich der gebietsspezifischen Maßnahmen zur Kommunalen Wärmeplanung nannte der Erste Beigeordnete Martin Mohr zunächst die Erstellung von Energiekonzepten für Neubaugebiete. Die Erschließung des Krifteler Wäldchens wurde gerade abgeschlossen, und in den vergangenen rund zehn Jahren hat man sich auch ausgiebig mit Energiekonzepten für das dortige Baugebiet befasst. Im Rahmen der Bauleitplanung wurde hierzu auch ein Energiekonzept geschnürt. "Wenig überraschend haben wir auch bei diesem Gebiet auf Einzelversorgung gesetzt", so Mohr. Wärmepumpen sollen also hier die größte Rolle spielen. Lediglich im dortigen Gewerbegebiet gibt es noch eine Gasleitung, im Wohngebet werde diese nicht gebraucht, führte der Erste Beigeordnete weiter aus. Eine Ausnahme gibt es jedoch: Der Riegelbau direkt entlang der Bahnlinie. Hier hat der Investor, die ABG Frankfurt Holding, dies explizit gewünscht, weil man mit einer hybriden Heizanlage flexibel sein möchte. "Ansonsten gibt es in dem Gebiet kein Gas mehr", stellte Martin Mohr fest.

Abgesehen vom Krifteler Wäldchen wird dieses Thema in der nächsten Zeit eher weniger "prioritär" für die Gemeinde sein, so Mohr, da keine weiteren großen Neubaugebiete in der Gemeinde in Sicht sind.

Die angedachte neue Arbeitsgruppe soll sich auch mit einer Strategieentwicklung zum Thema Wärmenetzgebiete beschäftigen. "Für uns ist ganz klar: Es macht keinen Sinn ein Wärmenetz zu planen, zu projektieren, was am Ende keiner haben will", gab Mohr zu Bedenken. Sollte man vor diesem Hintergrund im Rahmen der Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis kommen, dass kein Interesse an einem Wärmenetzgebiet besteht, dann wird man auch keinen investitionsfreudigen Betreiber hierzu finden, wenn dieser keine entsprechende Kundschaft in Aussicht gestellt bekommt.

Kläranlage, Rechenzentrum, Quartierskonzept

Das Potenzial der hiesigen Kläranlage in Bezug auf deren Nutzung im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung soll weiter untersucht werden. Der Abwasserverband, der die Anlage in Kriftel betreibt, hat inzwischen erste entsprechende Untersuchungen durchgeführt, in einem Abstimmungsgespräch mit den dortigen Mitarbeitern bekam die Gemeinde bereits sehr viele Daten zur Verfügung gestellt, so Mohr. "Wir sind uns relativ sicher, dass es ein großes Potenzial gibt, nur steht da auch am Anfang die Frage: Will es am Ende auch einer haben?", gab der Erste Beigeordnete zu bedenken.

Auch die Anschlussmöglichkeit an Nachbarnetze will die Gemeinde weitergehend prüfen; dies könnte eine große Möglichkeit darstellen, falls in Hofheim tatsächlich ein Wärmenetz kommen sollte im Zusammenhang mit dem Rechenzentrum, das die Süwag Energie AG, die Muttergesellschaft der Syna, in Hofheim-Marxheim baut.

Auf Hattersheim mit der dortigen Vielzahl an Rechenzentren hat man aus Krifteler Sicht natürlich auch geschielt, so Mohr, jedoch ist die dazwischenliegende Autobahn eine große Barriere: Entsprechende Leitungen müssten unter selbiger verlaufen, was in Hinblick auf den Arbeits- und vor allem den Kostenaufwand wenig vielversprechend erscheint - denn irgendjemand muss die Zeche am Ende bezahlen, und meistens sind dies dann die Kundinnen und Kunden über entsprechend hohe Netzentgelte.

Und schließlich macht man sich auch Gedanken über ein Quartierskonzept für den Krifteler Ortskern: Dort habe man einen hohen Wärmebedarf - aber noch keine geeignete Wärmequelle. Ein solches Sanierungskonzept wäre nicht nur auf die Wärmeversorgung ausgerichtet, sondern auch auf die dortige Sanierung. Letztere könnte dann auch in Zusammenhang mit einer möglicherweise naheliegendsten Lösung in Form der Einzelversorgung stehen. "Aber auch das bedarf wieder einer umfangreichen Untersuchung", stellte Martin Mohr abschließend fest.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X