Ein verdienter Büttenredner auf Abschiedstour

Hans-Joachim Greb tritt in dieser Kampagne letztmals in seiner Rolle als "Hobbes" auf

gus

Rotes Polo-Hemd, gerötete Nasenspitze, schwarzer Hut mit Gebommel drauf und weiße Handschuhe: Alle, die sich in der Fastnacht auskennen, wissen nun schon, um wen es geht. Sie sollten in der nun in die heiße Phase gehenden Kampagne 2026 ganz gezielt Ausschau halten nach dem „Hobbes“ alias Hans-Joachim Greb. Denn der Flörsheim Fastnachts-Promi hatte im Dezember erklärt, am Aschermittwoch seine lange Laufbahn als aktiver Redner zu beenden und damit auch seine über Jahrzehnte präsente Büttenfigur abtreten zu lassen.

Alles geht einmal zu Ende: Greb wird kurz nach der Kampagne 71 Jahre alt, „ein gewisses Alter, mit dem man sich zurückziehen kann“, findet er. Er wolle unbedingt selbst den Zeitpunkt wählen, wann der Abschied kommt, „dass ich senkrecht aus der Bütt steige, wenn ich noch alle Sinne beisammen habe". Der Tenor der Leute nach den Auftritten in dieser Kampagne solle lauten "schade" und "überlegen Sie es sich nochmal" – das wäre doch "viel schöner als wenn es heißt, "es wird Zeit, dass er endlich geht“. Den „Hobbes“ präsentierte Greb seit 1986 – zunächst noch im gelben Hemd und schwarzer Weste und bei der Premiere unter dem Titel „Der werdende Vater“. Der war er seinerzeit tatsächlich – dieses Schöpfen aus den eigenen Erfahrungen sollte in all den Jahren die inhaltliche Basis seiner Vorträge bleiben.

Der „Hobbes“ ist längst die dienstälteste Bühnenfigur der Fastnacht in der Region – ganz verwunderlich ist es sicher nicht, dass er sich nach all den Jahren den Stress der vielen Auftritte in der auf wenige Wochenenden verteilten Saalfastnacht nicht mehr ewig antun will. Auch, wenn es fast nahe liegt, steht der erste Ausstieg, den Greb vor der vergangenen Kampagne machte, nicht im direkten Zusammenhang mit der Entscheidung zum Abschied von der Bühne. Am 3. Januar 2025, also quasi mit dem Startschuss in die vergangene Kampagne, legte er den Vorsitz des FCV nach vier Jahren an der Spitze und vielen im Vorstand aus „gewissen Gründen“ nieder und wollte im vergangenen Jahr auch den "Hobbes" in den Sitzungen seines Heimatvereins nicht geben – andernorts sehr wohl. Sein Bühnenabschied jedoch „hat nichts mit dieser Vorstandsgeschichte zu tun“, betont Greb.

Dass die Aufgabe des Amtes eine Entscheidung für den Moment war, das Tischtuch zu seinem Verein aber nicht komplett zerschnitten ist, zeigt sich darin, dass der "Hobbes" dieses Jahr wieder in allen fünf Sitzungen des FCV auftreten wird – wie es die Flörsheimer Närrinnen und Narren über viele Jahre gewohnt waren. Es wird „ein ganz normaler Hobbes-Vortrag“ werden, kündigt Greb an, jedenfalls in Stil und Dichtart. Inhaltlich will er „ein Potpourri von Versen der vergangenen Jahre“ präsentieren. Ein „Best-of“-Vortrag also, „manche werden sich an diese Verse noch erinnern, für andere wird es neu sein“. Ganz zum Schluss wird es dann aber ganz besonders. „Der letzte Vers, der wird meine Verabschiedung“, kündigt er an. Die treuen Hobbes-Fans dürfen gespannt sein, es ist zudem davon auszugehen, dass der FCV um Nachfolger Sascha Jung sein Aushängeschild in der letzten Sitzung nicht mit einem schnöden "Mach's gut" von der Bühne schickt

Diese letzte Kampagne Grebs wird sich von den Abläufen nicht unterscheiden von denen all der Jahrzehnte zuvor, denn er wird wie gehabt an den Wochenenden eine Vielzahl von Auftritten mit enger Taktung absolvieren. Das verlangt ihm und den Vereinen eine gute Koordination ab. Greb war durch den Ausstieg beim FCV nicht ohne Bindung an die Szene, denn auch beim MCV, dem Weisenauer CCW, beim KCK in Kastel, bei der Wiesbadener Fidelen Elf und den Erbenheimer Brummer wird der "Hobbes" jeweils seine letzten Auftritte absolvieren. An diesem Samstag wird der Auftritt beim FCV sein vierter des Tages sein.

Station macht er zunächst beim MCV (Prunkfremdensitzung im Schloss), es folgt die Fremdensitzung des CCW in Weisenau, von dort geht es nach Wiesbaden, wo die Fidele Elf ihre Kurhaussitzung abhält – und danach schnell ab in die Flörsheimer Stadthalle. „Die Programmplanung braucht eine große Abstimmung, es wird manchmal eng“, erläutert Greb, denn wenn er etwa wie nun von Weisenau aus ins Kurhaus weiterzieht, sind 20 bis 25 Minuten Fahrtzeit einzuplanen – so eine Kampagne kann anstrengend werden. „Letztlich habe ich es immer hinbekommen, ich musste keinen Termin sausen lassen – und es ist für mich ein positiver Stress.“

Greb stellt klar, dass er keineswegs von der Fastnacht an sich genug hat. „Nach all den aktiven Jahren werde ich der Fastnacht verbunden bleiben.“ Das kann und wird sicher auch der Besuch der einen oder anderen Sitzung sein. Viel wert ist es ihm aber vor allem, Teil des Stammtisches der Mainzer Fastnachtsredner zu sein, der sich mehrmals im Jahr trifft. Der „Hobbes“ kommt dann mit anderen Koryphäen zusammen wie „Ernst Lustig“ (Jürgen Wiesmann), dem „Mainzer Polizisten“ (Alexander Leber) oder dem „Deutschen Michel“ (Bernhard Knab) – für dieses Jahr plant die Büttenrednerelite gar eine erste gemeinsame Reise nach Erfurt.

Was Greb ein wenig fürchtet in seiner künftigen Rolle als Beobachter ist es, dass er ein allzu kritisches Auge auf die Zunft werfen könnte. „Ich tue mich als Zuschauer eben etwas schwer.“ Nicht, dass er Veränderungen und Entwicklungen in der Fastnachtslandschaft ablehnen würde, aber gerade sein Ansatz scheint immer mehr Boden zu verlieren. „Mein Stil, die gereimte Büttenrede, ist immer weniger zu sehen“, fällt ihm auf. Er selbst sieht es nicht so, dass die Zeit solcher Vorträge zu Ende gehen sollte oder überholt wäre. „Beim Nachwuchs gibt es aber nur sehr wenige, die das noch machen wollen. Die Jugendlichen legen mehr Wert auf das Feiern und den Gesang als auf die literarische oder politische Fastnacht.“ Nichts bleibt eben, wie es ist. Große Fastnachtssitzungen ohne "Hobbes" konnte man sich schließlich lange nicht vorstellen, ab nächsten Jahr müssen die Närrinnen und Narren sich daran gewöhnen.

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