Gegen den Trend und doch unausweichlich

Ende der Gelben Tonnen: Stadt soll sich laut SPD-Antrag im Kreis für Sinneswandel einsetzen

gus

Der um einen Monat nach hinten verschobene Termin rückt näher, ein Eingreifen der Politik durch die städtischen Gremien wird zu spät kommen, um das Aus für die Entleerung der Gelben Tonnen in Flörsheim zu verhindern. Die Chancen, durch ein Vorgehen der Stadt gegen die am 1. Februar in Kraft tretende Änderung schnell zur bisherigen Regelung zurückzukehren, möchte die SPD-Fraktion durch einen Antrag in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am heutigen Donnerstagabend erhöhen. Denn, wie angekündigt, wollen die Sozialdemokraten, dass die Fraktionen den Magistrat beauftragen, „sich beim Main-Taunus-Kreis dafür einzusetzen, dass die Entsorgung des Kunststoffabfalls weiterhin über die Gelbe Tonne erfolgt und nicht nur über den Gelben Sack“. Bei einer neuen Vergabe der Entsorgung von Verpackungsmüll durch das Duale System Deutschland, die bis Ende 2028 an das Unternehmen Meinhardt übertragen ist, soll die Leerung der Gelben Tonnen zudem Bestandteil der Ausschreibung werden, soll der Magistrat zu erreichen versuchen.

Es war zweifellos keine gute Nachricht, die im Dezember von der Stadt weitergegeben wurde. Die Gelben Tonnen mit 240 Litern Fassungsvermögen sind in Flörsheim zwar kein offizieller Behälter des Unternehmens Duales System Deutschland, das im Landkreis das Einsammeln der Kunststoffabfälle vertraglich vereinbart organisiert, damit diese Wertstoffe (im Idealfall) der Wiederverwertung zugeführt werden. Aber sie haben in der Vergangenheit zweifellos für eine saubere Bereitstellung der Säcke gesorgt und wurden vom Dienstleister bisher auch geleert. Das ändert sich nun, zu befürchten sind vermehrt unschöne Szenen durch am Straßenrand abgelegte Säcke, von denen einige immer wieder aus unterschiedlichen Gründen aufreißen, so dass sich der Inhalt in der Umgebung verstreut.

„Die Nutzung der Gelben Tonnen ist somit eine bessere Alternative zu den gelben Säcken und reduziert schließlich auch den Restmüll“, begründet die SPD ihren Antrag daher. Es ist freilich keine Lex Flörsheimensis, die das Aus für die privat angeschafften, kleinen Gelben Tonnen mit sich bringt. Eingeführt wurde das System in Flörsheim im Jahr 1992 und nie wieder abgeschafft, hat sich also eigentlich bewährt. Duales System Deutschland zog mit der Ankündigung nun aber Konsequenzen aus zunehmenden Problemen mit dem Einhalten der Vorgaben durch die Bürgerinnen und Bürger, was sie in die Gelben Säcke und Tonnen hineintun dürfen und was nicht. Auch bei den (im Gegensatz zu den kleinen Tonnen der Privathaushalte zum System gehörenden) Großsammeltonnen von 1.100 Litern, die in größeren Wohnkomplexen eingesetzt werden, gibt es eine Verschärfung der Spielregeln. Blickdichte Säcke dürfen dort ab Februar genauso wenig eingeworfen wie zur Abholung an den Straßenrand gestellt werden.

Entdecken die Mitarbeiter beim Hineinblicken in die Großtonnen künftig solche undurchsichtigen Säcke (oder in den durchsichtigen zu viel Müll, der dort nicht hineingehört), können sie die Tonnen unentleert stehen lassen, die Eigentümergemeinschaften müssen die Abholung als Hausmüll dann zusätzlich beauftragen und bezahlen. Das kann teuer werden – und soll es auch, um einen Lerneffekt zu erzielen. Die Stadtwerke, die die Privathaushalte in der Vergangenheit selbst bei der Anschaffung der kleinen Gelben Tonnen unterstützten, verwiesen in der Ankündigung darauf, dass die neuen Regelungen eigentlich schon seit längerem gelten, im Februar endet lediglich eine Kulanzregelung von Duales System Deutschland.

Als Grund für die Ausgrenzung der kleinen Tonnen gab der Dienstleister auch an, dass ihr Handling für die Mitarbeiter zeitaufwendiger sei als die Gelben Säcke vom Straßenrand aufzunehmen und auf das Fahrzeug zu werfen. Ob mit blickdichten, undurchsichtigen oder in den Großtonnen gesammelten Tüten: Duales System Deutschland weist darauf hin, das es aktuell Probleme mit den verwertenden Wertstoffhöfen gebe, die bei der Anlieferung verstärkt Stichproben durchführten und zunehmend einen hohen Anteil an Stoffen feststellen, die im Gelben Sack nichts verloren haben. Dann dürfen sie die Annahme der Lieferung verweigern, die Entsorgung dieses Mülls kostet das Unternehmen wie anderen Dienstleistern auch eine Menge Geld.

Im praktischen Umgang bedeutet die neue Regelung für die Bürgerinnen und Bürger, dass sie ihre 240-Liter-Tonnen zwar weiterhin als Zwischenstation für die Gelben Säcke nutzen können, diese müssten sie künftig aber spätestens am frühen Morgen des Abholtags aus der Tonne holen und am Straßenrand ablegen. Da in anderen Kommunen des Kreises eine Tonnenleerung vertraglich festgeschrieben ist, wäre eine entsprechende Regelung bei der Einführung des Systems vor nahezu 35 Jahren möglich gewesen, das wurde für Flörsheim allerdings anders entschieden. In der Altstadt gibt es einfach zu viele enge Gassen, die es den größeren Entsorgungsfahrzeugen mit Entleerungsmechanik für Tonnen schwer machen durchzukommen, bei der Sacksammlung sind kleinere Fahrzeuge ausreichend.

Klar gegen den Trend

Interessant ist, dass es deutschlandweit gesehen derzeit eher eine umgekehrte Entwicklung gibt. In vielen Kommunen wird derzeit die Gelbe Tonnen eingeführt, damit die losen Säcke nicht weiter die Straßenränder verunstalten und dort aufgerissen ihren Inhalt preisgeben. Dazu zählt auch Wiesbaden, übrigens auch mit der Firma Meinhardt als beteiligtem Unternehmen, wobei hier in einigen Stadtbereichen gleich der nächste Schritt des Recyclings eingeläutet wird: In die „Wertstofftonnen“ dürfen regulär nicht nur Verpackungen, sondern auch gleiche Materialien, die einem anderen Zweck dienten, eingeworfen werden, insbesondere Kunststoffe, Metalle, und Verbundstoffe.

Mit den Tonnen kann durch eingebaute Chips zudem die Abholung für einzelne Haushalte erfasst und berechnet werden. Das Verbot blickdichter Säcke breitet sich hingegen ebenso aus, denn das Problem der fehlenden Sorgfalt bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ist keine Flörsheimer Spezialität. Aus dem gleichen Grund hatte es im vergangenen Jahr in Hessen schon Verschärfungen der Reinheitsvorgaben in den Biotonnen gegeben. Seither gelten höhere Anforderungen an die Sortiersorgfalt, denn der Fremdstoffanteil muss verringert werden, der an Kunststoffen etwas muss nun bei unter einem Prozent liegen, sonst droht eine Zurückweisung der Anlieferung.

Kommentare

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Sicherheitsprüfung
Diese Frage hat den Zweck zu testen, ob Sie ein menschlicher Benutzer sind und um automatisierten Spam vorzubeugen.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.


X