Aus den Ausschüssen Radwege in Kriftel: Gemeinde nimmt viel Geld in die Hand

Auch der Radschnellweg FRM3 von Wiesbaden nach Frankfurt über Kriftel wird konkreter

Einen aktuellen „Sachstandsbericht zu vorhandenen und geplanten innerörtlichen und überörtlichen Radwegen in Kriftel“ legte der Erste Beigeordnete Franz Jirasek jetzt im Planungsausschuss vor. „Weitere darüber hinaus gehende Konzeptionen für eine Einbindung des Radverkehrs in die verkehrliche Infrastruktur Kriftels werden Teil des noch zu erarbeitenden integrierten Ortsentwicklungskonzeptes sein“, betonte er.

Per Antrag der SPD-Fraktion war der Gemeindevorstand im Juli 2021 beauftragt worden, die künftige Konzeption der Radwege in Kriftel im Planungsausschuss vorzustellen. Jiraseks Fazit: „Wir sind in Kriftel gut aufgestellt. Allein schon durch das flächendeckend eingeführte Verkehrsberuhigungskonzept in den 80er Jahren. Dadurch entstanden in fast allen Nebenstraßen der Kreisstraße 822 Tempo 30-Zonen. Das haben kaum andere Kommunen so umgesetzt.“

Für die Radfahrerinnen und Radfahrer nehme man auch weiterhin viel Geld in die Hand: Drei zuletzt nur noch schlecht befahrbare Wegabschnitte (Lückenschluss) des Radweges durchs Feld zwischen Hofheim (B519) und Erdbeermeile (L3018) werden neu befestigt und asphaltiert. Dafür gibt die Gemeinde 170.000 Euro aus. Aus dem Kreisinvestitionsfonds erhält Kriftel für die Maßnahme einen Zuschuss von 56.000 Euro. 2022 wird die Rampe vom Hattersheimer Weg zur Kapellenstraße gebaut. Kosten: 200.000 Euro. Und der 1. Bauabschnitt des Radweges von der Straße „In den Gartenwiesen“ bis zur Holzbrücke am Freizeitpark wird angegangen. Kosten 520.000 Euro. 75 Prozent der Kosten werden vom Land übernommen.

Erstes modernes Beschilderungskonzept

Umgesetzt wurde in Kriftel schon im Oktober 1989 ein erster Beschilderungsplan für die Radwege in Kriftel. Es entstanden Radwege an der nördlichen Richard-Wagner-Straße im Bereich Engler, in der südlichen Kapellenstraße und an der Hofheimer Straße. Die vorhandene Beschilderung wurde im August 2005 durch ein Beschilderungskonzept abgelöst, dass durch die Ortsgruppe Hofheim, Eppstein, Kriftel des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) unter Mitwirkung der Verwaltung erstellt wurde. „Es war das erste moderne Beschilderungskonzept einer Kommune im Main-Taunus-Kreis“, so Jirasek.

Seit November 2007 findet ein jährliches Treffen mit einer Vertreterin bzw. einem Vertreter des ADFC zum Radverkehr in Kriftel statt. Jirasek: „Themen sind immer wieder die Optimierung des Beschilderungskonzeptes sowie Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung der Radverkehrsanlagen in Kriftel. Es wurden seitdem verschiedene Projekte durchgeführt. Hierzu zählt die Absenkung der Bordsteinkanten an den beschilderten Radverkehrsanlagen. Eine weitgehende Durchlässigkeit der Einbahnstraßen für den Radverkehr ist mittlerweile ebenfalls gegeben. Darüber hinaus wurden Pfosten und Umlaufsperren entfernt um den Radverkehr zu erleichtern und sicherer zu machen.“

Unterschiedliche Behörden, unterschiedliche Interessen

Da der Gemeindevorstand bereits in der Ausschussrunde im Februar konkret über den geplanten Ausbau des Radwegenetzes in Kriftel berichtet hatte, ging Jirasek diesmal ausführlich auf regionale und überregionale Radwegeverbindungen und Radnetze ein. „Letztere werden von ganz unterschiedlichen Behörden für unterschiedliche Nutzungen und Zwecke entwickelt“, erläuterte der Erste Beigeordnete. „Zielnetze dienen als Planungsinstrumente für Behörden und können von Radfahrenden (noch nicht) durchgängig befahren werden. Sie sollen Energien bündeln, um Lücken im Netz zu schließen und die Qualität der Infrastruktur zu erhöhen.“ Das Kreisradverkehrskonzept des Main-Taunus-Kreises, der Radschnellweg FRM3, das Fahrradroutennetz des Regionalverbandes FrankfurtRheinMain und das Rad-Hauptnetz des Landes Hessen sind solche Zielkonzepte.

Der Kreisausschuss des Main-Taunus-Kreises hat in Zusammenarbeit mit den kreisangehörigen Kommunen, der Polizei, dem ADFC und weiteren Institutionen ein Radverkehrskonzept erarbeitet, welches im April 2018 veröffentlicht wurde. Zu diesem Zweck wurde in Gesprächen mit den Städten und Gemeinden im Zeitraum Oktober bis Dezember 2017 erfragt, welche Entwicklungen diese anstreben. Im Zuge dieser Gespräche wurde auf Anregung der Gemeinde Kriftel die bereits am 2. November 2017 vorgestellte und zur Umsetzung beschlossene Planung zur Radverkehrsführung entlang des Schwarzbachs in das Kreisradverkehrskonzept aufgenommen. Jirasek: „Aktuell bereitet der Main-Taunus-Kreis eine zweite Aktualisierung vor. Das Radverkehrskonzept des Main-Taunus-Kreises ist eine wichtige Grundlage für den künftigen Ausbau der Fahrradwege im Main-Taunus-Kreis.“ Zur Umsetzung des Konzeptes wurde ein Maßnahmenplan erstellt.

Radschnellweg Wiesbaden - Frankfurt

Für den Radschnellweg FRM3 hat das Land Hessen 2018 eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben, welche hessenweit Korridore ermittelte, die ein Potenzial für Radschnell- bzw. Raddirektverbindungen aufweisen. In dieser Studie wurde für den Korridor Wiesbaden – Hofheim am Taunus – Kriftel – Hattersheim am Main – Frankfurt am Main (FRM3) ein sehr hohes Potenzial einer Radschnellverbindung identifiziert. Jirasek: „Der Regionalverband FrankfurtRheinMain hat die Ausschreibung der Machbarkeitsstudie gestartet.“ Bis zum 27. September 2021 konnten sich Planungsbüros zur Erarbeitung der Machbarkeitsstudie bewerben.

Im nächsten Schritt wird der Regionalverband sich bei den beteiligten Kommunen mit den Ergebnissen der Angebotsbewertungen und dem Vergabevorschlag melden. Die Machbarkeitsuntersuchung soll den 30 Kilometer langen Korridor zwischen Wiesbaden und Frankfurt betrachten und aufzeigen, inwieweit eine Radschnellverbindung zu realisieren ist. Erste Teilstrecken des Radschnellweg FRM1 vom Holbeinsteg in Frankfurt am Main über Neu-Isenburg, Dreieich, Langen, Egelsbach und Erzhausen bis nach Darmstadt wurden bereits erfolgreich gebaut.

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