Dennoch war dieser Besuch der englischen Freunde anlässlich des 25-jährigen Bestehens der 1990 und 1991 mit zwei Verträgen geschlossenen partnerschaftlichen Verbindungen zwischen Bischofsheim und dem damaligen Council Crewe & Nantwich von den aktuellen Ereignissen natürlich durchaus beeinflusst. Es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass von englischer Seite an der Beziehungen zu Bischofsheim gerüttelt werden soll. Das wäre gar nicht so abwegig, Ausstiege britischer Kommunen aus Partnerschaften zu deutschen, aber auch französischen Gemeinden und Städten hat es in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben. Nach dem „Brexit“-Votum stellen nun offenbar erste deutsche Kommunen ihre Beziehungen zu europafeindlich gesinnten Partnerstädten in Frage.
Verhandlungen über die Zukunft der deutsch-englischen Städtepartnerschaften unter den neuen Verhältnissen, die freilich erst in einigen Jahren umgesetzt werden können, waren bei dem Treffen in Bischofsheim allerdings nicht angesagt, denn die Folgen des „Brexit“ für die Praxis solcher Verbindungen sind derzeit nicht absehbar. Eigentlich dürfte sich nichts ändern, denn natürlich spricht nichts gegen freundschaftliche Verbindungen zu Menschen, die nicht mehr der EU angehören wollen.
Erster Anlaufpunkt der Gäste nach der Ankunft in Bischofsheim war der Empfang in der Ratsstube, bei dem auch fünf Gäste aus der anderen Partnerstadt Dzierzoniow inklusive Bürgermeister Dariusz Kucharski anwesend waren. Die Freundschaft zwischen der deutschen, englischen und polnischen Seite mit allen Querverbindungen ist in den 25 Jahren auf persönlicher Ebene gewachsen und stabil, wie die Anreise der Delegation aus Dzierzoniow zum Jubiläum der Partnerschaft der deutschen Freunde zu Crewe und Nantwich zeigt.
Am Freitagabend, 1. Juli, ging es nach dem Empfang weiter auf den Friedhof zu einer Gedenksteinenthüllung. Die Tafel weist darauf hin, dass im Jahr 2007 an dieser Stelle, dem Gräberfeld der im Zweiten Weltkrieg beim Luftangriff auf Bischofsheim gestorbenen Bürger, einst ein Kranz zum Gedenken an die deutschen und englischen Kriegstoten niedergelegt wurde. Dies war der Wunsch des verstorbenen englischen Kriegsveterans Albert Killiner, den die freundschaftliche Verbindung, die über die Partnerschaft zwischen Bischofsheim und Crewe & Nantwich entstanden war, rührte.
Kiliner, im Krieg in deutsche Gefangenschaft geraten, war einst in Crewe im Vorstand des „Emmi Dixon Home“ tätig, einem Heim für Menschen mit Trisomie 21, wie der damalige Bürgermeister Reinhard Bersch den Hintergrund der Geschichte erläuterte. 1999 hatte die Bischofsheimer Delegation unter dem gerade ins Amt gewählten Bersch bei einem Präsentationsstand Bischofsheims in Crewe Spendengelder für das Heim gesammelt und 220 Pfund Erlös erzielt.
Die Übergabe des Geldes an Killiner fand im Eigenheim von John Mayman statt, der sich seinerzeit stark für die Partnerschaft mit Bischofsheim engagierte. Dessen Frau Margerie enthüllte nun zusammen mit Bürgermeisterin Ulrike Steinbach den Gedenkstein, anschließend legten sie ein Blumengebinde ab. Der erste Abend gehörte anschließend dem Einfinden der Gäste in den Gastfamilien. Für den Samstag hatte der Partnerschaftsverein einen Mainz-Besuch vorgesehen, am Abend gab es im Trafohaus ein Zusammenkommen.
Der offizielle Teil der Jubiläumsfeier, die Akademische Feier, fand am Sonntag bei leicht schwankendem Untergrund auf einem Ausflugsschiff auf dem Rhein statt, auf der Rückfahrt eines Loreley-Besuches. Während die Polen am Montag die Heimreise antraten, begab sich rund die Hälfte der englischen Gäste auf eine mehrtägige Thüringenreise, die der Bischofsheimer Partnerschaftsverein organisiert hat.
Der Rückbesuch in Crewe ist vom 15. bis 20. September geplant. Auch hier ist eine Weiterreise vorgesehen, die Partnerschaftsvereine besuchen für ein paar Tage Yorkshire, die nordöstlich von Cheshire gelegene Region Englands.




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