Es droht ein Jahr fast ohne Auftritte Der Flörsheimer Musikverein hat in Absprache mit der Stadt eine Ersatzprobestätte am Mainufer gefunden

Auf der Mainwiese ist der Musikverein Flörsheim derzeit regelmäßig bei den Proben zu erleben. Gleichzeitig ein Ersatz für die entfallenen Auftritte.

Der Flörsheimer Musikverein hat in Absprache mit der Stadt eine Ersatzprobestätte am Mainufer gefunden

Lange war der Musikverein Flörsheim wie so viele Vereine durch die Corona-Pandemie zur Untätigkeit verdammt. Die Probenräume in der Stadthalle sind seit Mitte März für die Musikerinnen und Musiker gesperrt, die Übungsstunden entfielen lange 13 Wochen ersatzlos, ehe dem Verein mit den sommerlichen Temperaturen eine vielleicht sogar rettende Idee kam: Warum nicht einfach zur traditionellen Übungszeit um 20 Uhr am Montagabend unter freiem Himmel zusammenkommen und mit genügend Abstand zueinander die Instrumente zum Klingen bringen? Zum bereits fünften Mal probte der Musikverein mit Dirigent Bernhard Frank am vergangenen Montag auf der Mainwiese hinter dem Bootshaus.

Den Platz ausgewählt hat die Stadt für den Verein, nach einer entsprechenden Anfrage im Rathaus. Das musste so laufen, schließlich – wie Dichter Wilhelm Busch schon festhielt – „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“. Sagt: Die Gefahr bei solchen Veranstaltungen im Freien ist immer, unabhängig von der Güte der dargebrachten Musik, dass sich Anwohner finden, die sich in ihrer Ruhe gestört fühlen und Rabatz machen.

Deshalb platzierte die Stadt die Musikerinnen und Musiker auch auf der Wiese unterhalb des Stadtgartens und gestattet nur eine einstündige Probe bis 21 Uhr. Aber das genügt dem Musikverein für den Anfang vollends - Hauptsache, man sieht sich wieder beim Ausüben des Hobbys. Und Beschwerden aus der Nachbarschaft gab es bisher auch nicht, ganz im Gegenteil: „Anwohner haben beim Hessischen Rundfunk angerufen und gesagt, dass man darüber doch berichten könnte“, berichtet Vereinspressewart Markus Jäger. Und so übte der Musikverein diesmal mit besonderer medialer Aufmerksamkeit, die „Hessenschau“ berichtete in ihrer Dienstagsausgabe (abzurufen über die ARD-Mediathek).

Den Spaziergängern an diesem lauen Abend wurde somit eine Stunde Konzert ihres Musikvereins geboten, denn diesen großen Unterschied gibt es neben der verkürzten Dauer im Vergleich zum normalen Übungsbetrieb. „Eigentlich werden in den Montagsproben vor allem neue Stücke eingeübt, derzeit spielen wir jedoch aus unserem Repertoire“, berichtet Jäger. Die Ansprache Franks an die einzelnen Musiker oder Instrumentengruppen ist auf der Wiese eben etwas schwierig. Und das Zusammenspiel leidet ohne die direkte Nähe zu Nebenmann oder Nebenfrau auch zweifellos. Um die Fläche, die der Musikverein auf der Wiese belegt, auch in der Stadthalle zu nutzen, müsste der Verein schon in den großen Saal gehen.

Aber weil gerade Gesangs- und Musikdarbietungen durch den hohen Aerosol-Ausstoß zu den besonders heiklen Aktivitäten in geschlossenen Räumen zählen, sieht Jäger ein recht trauriges Jahr für seinen Verein. Der gut gefüllte Terminkalender, der auf der Internetseite des Musikvereins noch nachzulesen ist, wird nicht ansatzweise so umgesetzt werden. „Es ist gut möglich, dass wir in diesem Jahr gar keinen Auftritt haben werden“, sagt Jäger vielmehr.

Daran, dass der Musikverein wenigstens an einem wichtigen Ereignis im Jahresverlauf teilnehmen kann, wird derzeit noch gearbeitet. Das traditionelle „Vermächtniskonzert“ in der Galluskirche am Vorabend des Verlobten Tags wird es am 30. August zwar mit Sicherheit nicht geben. Doch dafür prüft der Verein, ob sich stattdessen unter freiem Himmel auf dem Gallusplatz ein Serenadenkonzert arrangieren lässt.

Das Ausweichen auf Veranstaltungen im Freien ist freilich ein Konzept, das nicht für das gesamte Jahr funktionieren kann. Bei den Probeabenden auf der Mainwiese hatte der Musikverein bisher Glück mit dem Wetter, lediglich am zweiten Abend tröpfelte es etwas und die Gruppe wanderte unter die Bäume ab. „Aber spätestens im Herbst wird es zu kalt und zu früh dunkel, da müssen wir wieder rein“, stellt Jäger fest.

Insgesamt hat der Verein die lange Auszeit wohl ganz gut überstanden, dass es Abmeldungen gegeben hätte, ist dem Vorstandsmitglied nicht zu Ohren gekommen. Das Jugendorchester, das an den Montagen in normalen Zeiten vor den „Großen“ probt, konnte noch nicht wieder zusammenkommen, die Nachwuchsmusikerinnen und -musiker dürfen sich aber derzeit auch für die Mainwiesen-Proben anmelden. Der Musikverein lebt und wird Corona wohl auch überstehen - auch finanziell ist der Ausfall der Auftritte natürlich ein Thema. Es wird aber, wie für viele Vereine, ein etwas verlorenes Jahr für das Orchester sein.

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