Ein Insektenhotel in 72 Stunden

53 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gestalten ein nachhaltiges Projekt für den Flörsheimer Stadtgarten

Mehr als 50 junge Mitglieder aus kirchlichen Gemeinschaften setzen in der 72-Stunden-Aktion des BDKJ den Bau eines Insektenhotels um.

Es war ein Wochenende voller Engagement, Zusammenhalt und Tatendrang: Jugendliche Mitglieder der kirchlichen Gemeinschaften hatten sich in Weilbach versammelt, um innerhalb von nur 72 Stunden die Welt ein kleines Stück besser zu machen. Unter dem Motto "Uns schickt der Himmel" startete die von der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) initiierte 72-Stunden-Aktion, die dieses Jahr ein besonders nachhaltiges Projekt ins Leben rief: den Bau eines Insektenhotels für den Flörsheimer Stadtgarten.

Über 50 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus den Gemeinden Flörsheim, Weilbach und Wicker, darunter Mitglieder der Messdiener, die Katholische Junge Gemeinde (KjG) und die Kolpingjugend, stellten sich dieser Herausforderung. Rückblickend auf die letzte Aktion im Jahr 2019, bei der über 160.000 Menschen bundesweit in mehr als 3.400 Projekten aktiv waren, war die Vorfreude auf dieses Jahr enorm.

Bereits in der Vergangenheit hatten die Gruppen an solchen Aktionen teilgenommen. In den Jahren 2013 und 2019 gab es jeweils zwei aktive Gruppen. 2013 war die KjG Wicker beteiligt, während in Flörsheim hauptsächlich die Kolpingjugend Flörsheim engagiert war. 2019 nahm die KjG Wicker erneut teil und die Flörsheimer Gruppe zog dann nach Weilbach, bestehend aus Mitgliedern der Kolpingjugend Flörsheim und den Messdienern aus Flörsheim und Weilbach.

Die 72-Stunden-Aktion des BDKJ umfasst eine Reihe von sozialen Projekten, die deutschlandweit innerhalb von drei Tagen durchgeführt werden, um die Welt positiv zu verändern. Die Projekte fokussieren sich auf gesellschaftliche und politische Themen, orientieren sich an der Lebenswelt der Teilnehmenden und sind darauf ausgerichtet, den Glauben praktisch umzusetzen. Die Teilnehmer engagieren sich in ihrem bekannten Sozialraum, in dem sie alltäglich aktiv sind. Jede Gruppe hat die Möglichkeit, die Aktion individuell zu gestalten, wobei der Fokus auf gemeinschaftlichem Einsatz liegt. Die Aktionen sind offen für alle, die sich für eine solidarische, gerechte und bessere Welt einsetzen möchten und können unterschiedliche Schwerpunkte haben, darunter interreligiöse, politische, ökologische oder internationale Aspekte.

"Am Anfang haben wir uns mit dem Nutzen von Insektenhotels beschäftigt und danach haben die Jugendlichen mit großem Eifer an den Häusern gebaut", berichtete Vanessa Lutz, Mitglied des Organisationsteam und Öffentlichkeitbeauftrage der Aktion. Die Tätigkeiten begannen am Donnerstag mit der Planung und Vorbereitung der Materialien. Von Freitag bis Sonntag setzten die Teilnehmer ihr Projekt auf dem Gelände des katholischen Gemeindezentrums Maria Himmelfahrt in Weilbach mit großer Begeisterung um. Die Arbeit umfasste das Sägen und Zusammenbauen des robusten Holzrahmens sowie das Füllen des Rahmens mit einer Vielfalt an natürlichen Materialien, die speziell darauf abgestimmt sind, verschiedene Insektenarten anzuziehen. Zu den verwendeten Materialien gehören Bambusröhren, Schilfrohre und Holzblöcke mit gebohrten Löchern verschiedener Größen, um den Insekten sichere Nistplätze bereitzustellen. Tannenzapfen und Zweige bieten zusätzliche Unterschlupf- und Überwinterungsmöglichkeiten.

Das Wochenende war nicht nur von Arbeit, sondern auch von Herausforderungen geprägt. Das unbeständige Wetter stellte die Jugendlichen vor die Aufgabe, flexibel zu reagieren und ihre Pläne anzupassen. "Eigentlich war geplant, alles im Gemeindegarten durchzuführen. Wegen des Wetters mussten wir jedoch umdisponieren und Zelte mit verschiedenen Stationen aufstellen", sagte Gemeindereferentin Kornelia Schattner. Trotz des Regenwetters ließen sich die Teilnehmer nicht entmutigen. Diese Flexibilität und das schnelle Handeln ermöglichten es den Jugendlichen, ihre Arbeit effizient und ohne größere Unterbrechungen fortzusetzen.

Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Das Insektenhotel ist mit einer Höhe von drei Metern und einem Corpus von über 2,5 Metern nicht nur ein imposantes Bauwerk, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum örtlichen Ökosystem. Neben dem großen Insektenhotel wurden auch über 30 kleinere Insektenhäuser fertiggestellt.

Nach 72 Stunden harter Arbeit und unermüdlichem Einsatz wurde das Insektenhotel im Flörsheimer Stadtgarten aufgestellt. Während der feierlichen Eröffnung hatten die Besucher die Gelegenheit, nicht nur die kleineren Insektenhäuser zu erwerben, sondern auch das große Insektenhotel zu besichtigen, das vom Schirmherrn Bürgermeister Bernd Blisch feierlich eröffnet wurde. "Es ist das erste 5-Sterne-Hotel in Flörsheim. Sogar mit Mainblick", scherzte der Bürgermeister in seiner Ansprache. Während der Abschlussveranstaltung wurde die Möglichkeit genutzt, allen Beteiligten für ihre großzügige Unterstützung zu danken. "Ohne die Hilfe Stadt Flörsheim, lokaler Unternehmen, Firmen und privater Spender wäre das Projekt nicht durchführbar gewesen", betonte Projektleiter Henrik Schuld. Ein besonderer Dank galt auch dem Verpflegungsteam, das die Teilnehmer während der drei Tage mit Essen versorgte, sowie den vielen Kuchenspenden, die zur Stärkung beitrugen.

Die Gemeinschaftsaktion zeigte, was in kurzer Zeit erreicht werden kann, wenn sich viele Hände zusammentun und wie durch gemeinschaftliches Engagement und die Unterstützung lokaler Akteure und Sponsoren bedeutende Beiträge zum Umweltschutz geleistet werden können. Das Insektenhotel dient dafür als dauerhaftes Symbol.

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