Leserbrief Rechenzentren in Hattersheim

Seit vergangenem Jahr gilt in Frankfurt am Main die Gestaltungssatzung für Freiraum und Klima. Diese Satzung betrifft die Errichtung von neuen baulichen Anlagen und Nutzungsänderungen von Bestandsgebäuden. Grundstücksfreiflächen müssen unversiegelt begrünt und bepflanzt werden. Kinderspielplätze werden mit standortgerechten Laubbäumen verschattet. Abfallbehältnisse müssen begrünt werden. Grundstückseinfriedungen dürfen nur offen und luftdurchlässig oder als Hecken ausgeführt werden. Sichtschutzzäune und Kunststoffplanen sind grundsätzlich verboten. Flachdächer bis 20 Grad Neigung müssen begrünt werden, ebenso Decken von Garagen, Tiefgaragen und Nebengebäuden. Fassadenflächen bis drei Meter Höhe sollen zu 50 Prozent begrünt werden.

Ziel dieser Satzung ist es, die Nutzung, Gestaltung und Bepflanzung von Grundstücksfreiflächen und die Begrünung baulicher Anlagen in klimaangepasster Form sicher zu stellen, um gesunde Lebensverhältnisse zu gewährleisten und die natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren. Durch den Klimawandel mit seinen Hitze- und Trockenheitsperioden zählt Frankfurt zu einer der heißesten Städte Deutschlands. Darunter leiden die Einwohner, die Tiere und die Natur. Mit dieser vorbildlichen und fortschrittlichen Satzung soll der Hitze und Trockenheit entgegengewirkt werden. Die geplante, zusätzliche Bepflanzung kühlt die Umgebungstemperatur enorm. Eine tolle Sache.

Nur wenige Kilometer von der Frankfurter Stadtgrenze entfernt, entsteht ein Ballungsgebiet von Rechenzentren mit gigantischem Stromverbrauch, katastrophaler CO2-Bilanz und vor allem mit einer extremen Wärmeerzeugung. Innen wird gekühlt, außen entsteht durch den Kühlungsprozess Wärme, wie bei einem Kühlschrank, nur größer. Keine Frage, dass Rechenzentren in begrenzter Zahl benötigt werden, aber doch nicht als Ballungsgebiet in Hattersheim. Damit wäre Hattersheim wahrscheinlich in Kürze die heißeste Stadt Deutschlands. Selbst ein uneinsichtiger Donald Trump würde hier erkennen, dass der Klimawandel von Menschenhand gemacht ist. Ein Wladimir Putin hingegen wüsste auch schon, wo genau seine Top-10-Angriffsziele in Deutschland wären: unter anderem am Frankfurter Flughafen und im Ballungsgebiet von Rechenzentren, also in beiden Fällen in und um Hattersheim.

Es ist traurig und beschämend zugleich, dass einerseits eine Großstadt wie Frankfurt, die trotz einer der wichtigsten Internetknotenpunkte weltweit, jede denkbare Möglichkeit nutzt die Menschen, Tiere und die Natur klimafreundlich durch Herabsenken der Temperatur zu schützen, andererseits nebenan die Stadt Hattersheim unnötig künstlich erzeugte Wärme brutal in die Atmosphäre bläst. Diese Umweltkatastrophe lässt sich auch nicht durch irgendetwas kompensieren oder schönreden.

Gewerbesteuereinnahmen erhält man auch über andere Gewerbetreibende, nicht nur über Rechenzentren. Das ganze Szenario mit den neu und schnell errichteten Rechenzentren und Wohnquartieren erinnert an die Filmtitel von 1968 mit Klaus Kinski in der Hauptrolle: „Leichen pflastern seinen Weg“ und an „Für eine Handvoll Dollar“ von 1964 mit Clint Eastwood.

Dipl.-Ing. Urs Höhne

Hattersheim-Eddersheim

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Kommentare

Rechenzentren Hattersheim

Es bleibt auch zu überlegen wie schlau es ist, sich als Gemeinde von so einem großen „Gewerbesteuerzahler“ abhängig zu machen. Wenn jetzt doch der Geschäftssitz, in 3 Jahren, nach Irland oder Luxenburg wandert (weil billiger) Haben wir die Datacenter auch die nachten 15 Jahre hier stehen!
Aber das haben die Stadtverordneten ja bestimmt im Blick …



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