Die Stimmung war gut beim diesjährigen Aschermittwochstreffen des Ortsverbands Hattersheim der FDP. Natürlich wurde über das Scheitern der Bundes-FDP an der Fünfprozenthürde bei der Wahl zum Bundestag gesprochen. Aber Michael Genthner, stellvertretender Vorsitzender im Ortsverband Hattersheim, fasste es treffend zusammen: „Wir haben keine Zeit zu lange darüber nachzudenken, Anfang nächsten Jahres steht in Hessen die Kommunalwahl an.“ Er freute sich, dass in jüngster Zeit auch im Ortsverband Hattersheim einige Neueintritte zu verzeichnen waren. Dieser ist mit über 30 Mitgliedern gut aufgestellt.
Zum diesjährigen Heringsessen, das wieder in Eddersheim stattfand, hatten sich 28 Personen angemeldet. Neben Parteiangehörigen der FDP nahmen auch interessierte Bürger, unter ihnen Dr. Marek Meyer, der Fraktionsvorsitzende der SPD Hattersheim, an dem politischen Aschermittwoch teil.
Der Vorsitzende des FDP Ortsverbands Hattersheim, Norbert Reichert, betonte nach der Begrüßung der Gäste, wie wichtig der Erhalt des liberalen Gedankenguts sei. Für Hattersheim sehe er im Haushalt 2025/26 kein Einnahmeproblem, sondern vielmehr ein Ausgabeproblem. Mit guten Einnahmen für die Stadt lebe es sich leicht, man könne eine schöne Stadt kreieren und schöne Stellen schaffen. Ansicht der FDP Hattersheim sei es, sparsamer zu haushalten und strukturelle Themen anzugehen. So habe sich die FDP erfolgreich gegen eine erneute Erhöhung der Grundsteuer ausgesprochen. Möglichkeiten zur strukturellen Verbesserung sehe man im Bereich der Kinderbetreuung und des Betriebs von Stadthalle und Stadtmuseum.
Ehrungen
Eine ganz besondere Ehrung konnte Norbert Reichert an diesem Aschermittwoch vornehmen. Aribert Mayer wurde von ihm für 50 Jahre Mitgliedschaft in der FDP ausgezeichnet. Reichert überreichte ihm eine Urkunde, eine Medaille und einen Korb mit Delikatessen. Seine gesamten 50 Jahre FDP-Mitgliedschaft verbrachte Aribert Mayer im Ortsverband Hattersheim. Als er 1975 in die FDP eintrat, gab es zwölf Mitglieder und im Wesentlichen drei unterschiedliche Parteien. Er habe nie ein politisches Amt angestrebt, berichtet Aribert Mayer. Im Rückblick freue er sich aber, dass er über 50 Jahre die liberalen Gedanken unterstützt hätte.
Mit der Überreichung einer 3D-Druck-Fliese mit dem Wappen des Jugendparlaments an Anna Bode würdigte die FDP Hattersheim die Arbeit des Jugendparlaments. Anna Bode ist Beauftragte des Magistrats für das Jugendparlament, das sie gemeinsam mit Myriam Jung betreut. Im Jugendparlament treffen sich Hattersheimer Jugendliche der 5. bis 13. Klasse einmal im Monat. Die Jugendparlamentarier haben ihr Wappen selbst entworfen. Es zeigt einen roten Löwen für Hattersheim, eine grüne Wolfsangel, übernommen aus dem Wappen von Eddersheim und ein grünes Eichenblatt, stellvertretend für den Silbernen Eichenbaum des Okrifteler Wappens.
Grüße aus der FDP Landtagsfraktion
Moritz Promny, Generalsekretär der FDP Hessen und Mitglied der Landtagsfraktion wurde herzlich von den Anwesenden begrüßt. Ganz verschweigen wollte Promny das bittere Ergebnis der Bundestagswahl für die FDP nicht, eine selbstkritische Analyse sei vonnöten. Er blickte in seiner Rede auf die Anfänge der Ampel-Koalition zurück. Zu der Zeit sei über ein Sondervermögen von 60 Milliarden Euro diskutiert worden. Die aktuell zur Debatte stehenden 900 Milliarden Sondervermögen würden jegliche Dimension sprengen. Sie hätten eine enorme Zinslast zur Folge und trieben die Inflation weiter in die Höhe. Ein Risiko sich abhängig zu machen bestünde ebenfalls, wenn beispielsweise China Anleihen aufkaufen würde. Dass das Parlament einen Vorrat aus dem großen Sondervermögen zurücklegen würde, daran glaubt er nicht. Es sei wahrscheinlicher, dass ein Hund sich einen Wurstvorrat anlegen würde.
Grundsätzlich müsse man nachdenken, ob die Schuldenbremse das richtige Instrument sei, gab Promny zu. Erfunden wurde die Schuldenbremse von Kaspar Villiger, einem ehemaligen Bundespräsidenten der Schweiz, erklärte er dem interessierten Publikum. Reformen seien in allen Bereichen notwendig, der Staat brauche eine Schlankheitskur, die Wirtschaft müsse in Schwung kommen und die Energiepolitik müsse weiterentwickelt werden. Aufgabe der FDP sei es, deutlich zu machen, dass nicht alle Probleme über das Aufnehmen von Schulden gelöst werden könnten. Auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr blickt Promny zuversichtlich. Hierzu betont er die liberalen Gedanken der FDP. Alles, was privat gemacht werden könne, solle auch privat bleiben, hier soll sich die Kommune nicht reinhängen.
Nach dem offiziellen Teil des Abends genossen die Gäste die Heringe und blieben bei angeregten Gesprächen gerne noch eine Weile zusammen.