Sehr zum Vergnügen der Zuhörer hatte Frauke Richter „Kinder“ zum Thema des Abends gemacht, sie las dementsprechend auch aus Kinderbüchern vor. Dem Thema des Abends entsprechend standen auf den Tischen Schälchen mit Gummibärchen und süßen kleinen Brezeln bereit, dazwischen waren die bei Kindern und wohl auch bei Erwachsenen sehr beliebten „Schoko-Bons“ verstreut.
Schon der erste Text aus dem Buch „Man darf mit dem Glück nicht drängelig sein“ von Kirsten Boie löste mit seiner perfekten, lebensechten Schilderung kindlicher Logik immer wieder Heiterkeit bei den Zuhörern aus. Wenn ein (offenbar von seiner Familie getrennt lebender) Papa seiner kleinen Tochter erklären möchte, warum sie „Papa“ und nicht „Herr Schulze“ zu ihm sagen soll und dabei immer wieder an den sehr logischen Argumenten („ich kann doch nicht zu jedem, den ich einmal im Monat in Bremen besuche, Papa sagen!“) der jungen Dame scheitert, muss man einfach schmunzeln. Dass Christof Enders im Anschluss daran „Menschenjunges“ von Reinhard Mey intonierte, passte wunderbar dazu. Seine Einladung zum Mitsingen wurde gerne angenommen.
Dann entführte Frauke Richter die Fantasie ihrer Zuhörer ins ferne Schweden der Astrid Lindgren – sie durften in „Bullerbü“ die Kinder Inga und Lisa bei einem Einkauf begleiten, bei dem „ein Ring Bratwurst von der besten“ nicht nur musikalisch eine große Rolle spielte. Auch hier wurde viel gelacht, die Schilderungen der berühmten Schwedischen Kinderbuchautorin treffen eben immer wieder genau den Punkt, der das Kindheitsgefühl von „damals“ wieder ins Gedächtnis ruft.
Obwohl auch Eric Malpass in seinem „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ den kleinen Gaylord zum Erzähler gemacht hat, wird hier nicht alles nur aus dem kindlichen Blickwinkel erzählt – und die Reaktionen der Erwachsenen im Buch auf die „Machenschaften“ des kleinen Jungen konnte fast jeder schon „voraussagen“, es war beinah so, als hätte jeder der Zuhörer so etwas –oder zumindest sehr ähnliches – mit seinen Kindern auch schon erlebt, alle schwelgten schmunzelnd oder auch mal laut auflachend in (zumindest im Nachhinein) schönen Erinnerungen. Auch hier fügte sich ein Song von Reinhard Mey bestens in den Vorleseabend ein: Christof Enders nahm alle musikalisch mit „In Lucianos Restaurant“.
Im weiteren Verlauf des heiteren Abends war von Frauke Richter noch so einiges zu hören – etwa über den Gebrauch des Wortes „übrigens“ im Text aus dem Buch „Belgische Riesen“ von Burkhard Spinnen, über das Komplimente machen im Ausschnitt aus „Ismael und der Auftritt der Seekühe“ von Michael Bauer, über „Rico, Oskar und der Diebstahlstein“ von Andreas Steinhöfel und auch über den „Ernst des Lebens“, beschrieben von Sabine Jörg und Ingrid Kellner. Die „Kinder von Bullerbü“ wurden an diesem Vorleseabend für Erwachsene noch einmal besucht. Christof Enders füllte die Pausen zwischen den Lesungen mit wunderbar gespielten und gesungenen Kinderliedern wie „Auf einem Baum ein Kuckuck“, „Bruder Jakob“ und auch Liedermacherweisen wie „Die sieben Gaben“ von Gerhard Schöne.
Sogar Frauke Richter wagte sich mit einer „Einfinger-Version“ von „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ zur Überraschung ihrer Zuhörer ans Klavier und erhielt dafür großen Beifall. Eine Wiederholung wollte sie allerdings nicht versprechen. „Man muss mir immer zeigen, wo ich anfangen soll“, meinte sie lachend, „das wird ganz sicher eine einmalige Vorstellung bleiben!“
Ihren Vorleseabende wird sie aber hoffentlich noch oft wiederholen – nicht nur um damit das bereit gehaltene „Sparbuch“ der Eddersheimer Bücherei zu füllen, sondern einfach weil das Zuhören bei ihr so viel Spaß macht!

Kommentare