Klimaveränderung und Wein

Die Folgen der globalen Erwärmung

 

HOCHHEIM (pm) – Der Weinfreundeskreis Hochheim hatte am vergangenen Freitag nach längerer Zeit einmal wieder zu einem weinbaulichen Fachvortrag eingeladen. Zum Thema „Klimaveränderung und Wein“ konnte Holger Krimmel 35 Teilnehmer sowie die frisch gekürte Rheingauer Weinprinzessin Janine begrüßen. Des weiteren stand dem vortragenden Präsidenten der Hochheimer Rebveredler Ferdinand Staab zur Seite, der das Thema aus Sicht des Reben-Fachmannes begleitete und wichtige zusätzliche Informationen lieferte.
In seinem Vortrag, den Krimmel unter anderem mit Hilfe von Unterlagen des Leiters der Geisenheimer Forschungsanstalt, Prof. Dr. Hans Schultz, ausgearbeitet hat, zeigte Krimmel, ausgehend von den prognostizierten Temperaturveränderungen in Europa, die Folgen der globalen Erwärmung für den Weinbau auf. So beginnt der Austrieb beim Riesling mittlerweile durch die Erhöhung der mittleren Wärmesumme pro Tag um 1,5° C um fünf Tage früher als noch 1970. Ähnliche Werte gibt es beim Müller-Thurgau zu verzeichnen. Diese verlängerte Vegetationszeit kann von später reifenden Sorten, wie zum Beispiel den Burgundersorten, hervorragend genutzt werden. Dadurch verändern sich aber auch die Bedingungen für den Anbau der Rebsorten. Aber auch die Qualität des Weines verändert sich. Ein wesentlicher Parameter neben dem Mostgewicht ist nämlich die Säure, deren Abbau durch die Temperatur während der Reifezeit bestimmt wird. Die frühere Reife kann somit zu niedrigeren Säurewerten führen. Diese für viele Weintrinker zunächst erfreuliche Tatsache wird jedoch durch eine verringerte Aromaausprägung erkauft. Und auch die Erzeugung von Eisweinen wird durch die nicht so tiefen Frühwintertemperaturen erschwert und in manchen Jahren ganz unmöglich.
Krimmel erwähnte in seinem Vortrag allerdings nicht nur die Folgen der globalen Erwärmung, sondern zeigte gemeinsam mit Ferdi Staab auch verschiedene Anpassungsstrategien auf. Die größte Bedeutung bei der Neuanlage eines Weingartens kommt hierbei der Auswahl der Rebsorte und der Unterlagsrebe zu. Denn immerhin trifft man hier eine Entscheidung, die in den kommenden 30 bis 40 Jahren nicht mehr revidiert werden kann. Aber auch durch die Reberziehung, Pflege- und Laubarbeiten und die Bodenpflege kann der Winzer auf die veränderten Bedingungen reagieren. Und letztendlich spielen auch kellerwirtschaftliche Maßnahmen (Traubensortierung, Anreicherung, Säurekorrektur usw.) eine große Rolle bei der Bewältigung der Probleme der Klimaveränderung. All dies führt dazu, dass mittlerweile Weinbau in Regionen möglich geworden ist, die bis vor einigen Jahren diesen nicht betreiben konnten. Lag früher die Grenze für den Weinbau beim 52. Breitengrad (etwa 50 km südlich von Berlin), so wird mittlerweile auch auf der schwedischen Insel Gotland und damit auf dem 57. Breitengrad Wein angebaut. Unter diesem Motto stand auch die Weinprobe, die passend zum Vortrag von Holger Krimmel Weine vom 37. bis zum 57. Breitengrad anbot.
Die Probe startete mit einem Johanniter aus den Niederlanden, gefolgt von einer Cuvée aus Reichensteiner und Siegerrebe aus England. Weiter ging es mit zwei schwedischen Vertretern, einer Cuvée aus Phönix und Solaris und einem sortenreinen Ortega. Als Vertreter der südlichen Regionen standen bei den Weißweinen eine spanische Cuvée aus Verdejo und Sauvignon blanc sowie eine Cuvée der Rebsorten Chardonnay, Grecanico, Viognier und Fiano vom 37. Breitengrad aus Sizilien. Die Rotweinprobe begann mit zwei Regent aus England beziehungsweise den Niederlanden. Die am stärksten verbreitete Rebsorte in Nordeuropa ist Rondo, die von den Hochheimer Weinfreunden in drei Varianten aus Dänemark und Schweden verkostet wurden. Nach zwei roten Landweinen aus Dänemark bildete dann eine Cuvée aus dem Medoc von Baron Rothschild sowie ein Nero d’Avola aus Sizilien den Abschluss der Weinprobe.
Auch wenn die verkosteten Weine teilweise sehr gewöhnungsbedürftig waren, bleibt doch festzuhalten, dass durch die Klimaveränderung Möglichkeiten entstanden sind, die es zuvor nicht gab. Unter dieser Voraussetzung ist es zweifellos als Erfolg zu werten, dass in diesen Gegenden überhaupt Weine produziert werden können. Und auch die Tatsache, dass diese Weine nicht für den Export bestimmt sind und damit außerhalb der jeweiligen Produktionsländer kaum verkostet werden können, wertete diese Probe auf. Nun freut sich der Hochheimer Weinfreundeskreis auf die letzte Probe dieses Jahres. Am 25. November lautet das Thema „Spanische Weine und Cava’s“ und bildet damit einen Kontrapunkt zur diesmaligen Probe.
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