Donnerstagmorgen, 22. Januar, 10.30 Uhr: In der Aula der Weingartenschule in Kriftel warten rund 80 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen gespannt auf ihren Gast. Bundestagsabgeordneter Norbert Altenkamp (CDU), Vertreter des Main-Taunus-Kreises, nimmt auf dem Podium Platz – genauer gesagt: Er bleibt stehen. „Ich brauche keinen Stuhl“, sagt er bestimmt. Und richtig, die nächsten zwei Schulstunden beweist er Stehvermögen.
Die Fragen lassen nicht lange auf sich warten. Persönliches, Politisches, Philosophisches – das junge Publikum ist gut vorbereitet. Das bestätigt auch Realschulzweigleiter Frank Sommerhoff, der die Veranstaltung organisiert hatte: „Ideal als politische Bildung für die Abschlussfahrt nach Berlin im Februar.“ Altenkamp selbst fühlt sich sichtlich wohl: Er sei gerne in Kriftel, nah bei den Menschen. Und er betont augenzwinkernd: „Ich bin eher KKK (Krifteler Karneval Klub) als digital.“ Der erklärte Fastnachter ist gerne mittendrin, statt nur dabei. Eine nahbare Haltung, die sich durch den gesamten Vormittag zieht.
Klare Antworten auf große Themen
Nach einer kurzen Vorstellung geht es direkt ans Eingemachte. Die Schülerinnen und Schüler fragen nach der Wehrpflicht, nach Donald Trump, nach Grönland und Handelskonflikten, nach der EU und nach Altenkamps politischem Schwerpunkt im Bundestag. Sein Fokus sei klar: humanitäres Engagement.
Auch parteipolitischen Fragen weicht der CDU-Abgeordnete nicht aus. Was der größte Fehler der CDU sei? „Erwartungshaltungen zu wecken, die man nicht erfüllen kann.“ Warum er sich für die CDU entschieden habe? Der Mauerfall habe ihn politisiert, ebenso sein katholisches Elternhaus. Zum Verhältnis zu Friedrich Merz merkt er trocken an: „Noch kein Bier miteinander getrunken.“ Ein Schüler fragt nach Cannabisfreigabe. „Gefährlich, bin strikt dagegen.“ Klipp und klar.
Beim Thema Klimawandel plädiert Altenkamp dafür, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. In der Migrationspolitik spricht er sich für gesteuerte Zuwanderung aus und betont die Notwendigkeit einer klaren Brandmauer gegenüber der AfD. Extremismus lehne er grundsätzlich ab – von rechts, von links und in Form des Islamismus. Sein Credo: „Keine Spaltung, miteinander statt gegeneinander.“
Zustimmung – mit Blick in die Zukunft
Der Unterschied zu den Grünen? Altenkamp lächelnd: „Wir sind pragmatischer, nicht so ideologisch unterwegs.“ Auch der Gaza-Krieg wird thematisiert. Deutschland leiste viel humanitäre Hilfe, sagt er, darüber werde jedoch zu wenig gesprochen. Er befürworte eine Zwei-Staaten-Lösung. Aber: Das Existenzrecht Israels dürfe nicht in Frage gestellt werden.
Nach zwei intensiven Schulstunden wird das Gespräch in den Klassen weitergeführt – das Fazit fällt positiv aus. Jannes (G10a) hebt hervor, dass komplizierte Themen einfach und verständlich erklärt worden seien. Klassenkamerad Moritz lobt Altenkamps breites Faktenwissen und sein sympathisches Auftreten, insbesondere sein Engagement für humanitäre Hilfe. Auch die klare Haltung gegenüber extremen Parteien kam gut an. Endlich mal Politik zum Anfassen, direkt und ohne Umwege. Einige Schülerinnen und Schüler hätten sich jedoch mehr Ausblicke in die Zukunft gewünscht.


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