Auf ein Wort

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Kennen Sie die Geschichte vom Wolf von Bethlehem?

Alle haben Angst vor ihm. Er macht die ganze Gegend unsicher und richtet schlimmen Schaden an. Durch den Betrieb im Stall von Bethlehem wurde er angelockt. Was für ein Aufsehen wegen eines kleinen Kindes, denkt er. Und als endlich alle Hirten wieder weg waren und Maria und Josef vor Erschöpfung eingeschlafen sind, da schleicht er sich heran, um nach Beute zu suchen. Mit dem Kind will er beginnen Das ist ein leichtes Fressen!

Aber als er gerade sein Maul aufreißt, um das Kind zu verschlingen, da streichelt das Kind sein raues, struppiges Fell und sagt mit einer Stimme, wie er sie noch nie zuvor gehört hat: „Du Wolf, ich habe Dich lieb“.

So etwas war ihm noch nie zuvor passiert. Noch nie hat jemand zärtlich sein raues Fell gestreichelt. Noch nie zuvor hatte er eine Stimme gehört, die zu ihm gesagt hatte: „Du Wolf, ich habe Dich lieb“. Und plötzlich – so erzählt die Geschichte – ist die harte, raue Haut des Wolfes geplatzt und aus dem Wolfsfell sei ein Mensch gestiegen, der zärtlich die Hände des Jesuskindes geküsst habe und dann davongegangen sei, um in der Welt die Liebe zu leben.

Ich denke, um eine solche Verwandlung geht es am Weihnachtsfest. Weihnachten ist das Fest der Wandlung und Verwandlung. Gott wandelt sich, er wird uns gleich, ein Mensch, wie wir. Näher kann er uns nicht kommen, als dass er einer von uns wird. Größere Liebe kann er uns nicht zeigen, als dass er uns gleich wird. Und er bricht uns auf mit Liebe und Annahme, auf dass wir ihm darin gleich werden.

Gott ähnlich werden heißt: Gottes Güte und Menschenliebe wird uns geschenkt und indem wir diese Liebe annehmen, darf sie uns zu neuen Menschen wandeln. Sich von Gott grundsätzlich angenommen und geliebt zu wissen, befreit von der Enge des Ego und ermutigt dazu, ein offener Mensch der Liebe, Güte und Menschenfreundlichkeit zu sein.

Die verwandelnde Kraft der Liebe ist uns nicht fremd. Gott streichelt uns – wie in der Geschichte – gleichsam über unser raues Fell und sagt uns voll Liebe: „Du Mensch, ich hab dich lieb, du bist mir wichtig und wertvoll“. So muss sich der Mensch nicht länger hart und rau gebärden, sondern darf mutig aus seiner Haut heraus menschlich sein, voller Liebe und Menschenfreundlichkeit, darf auch verletzlich und schwach sein, sogar krank und alt sein, behindert, erfolglos und klein, darf Fehler machen, sich selbst annehmen mit seiner Begrenztheit und Unvollkommenheit.

Gott sagt uns in Jesus Christus: ich habe dich lieb, trotz allem und gerade deshalb.

Gott tut alles dafür, dass wir uns angenommen und geliebt wissen, und um uns zu verwandeln, dass wir in gleicher Weise mitmenschlich miteinander leben.

Weihnachten: Gott hat sich verändert – damit auch der Mensch sich verändern kann. Damit er seine raue, ruppige Haut verlassen kann, um wirklich Mensch zu sein und zu werden. Diese Welt wird sich nicht verändern, wenn wir uns nicht verändern. Der Wandel vollzieht sich, wenn wir uns verwandeln lassen, uns streicheln lassen von einer großen Liebe, uns sagen lassen, dass wir geliebt sind, und wie der Wolf das struppige und raue Fell ablegen und mitmenschlich sind und werden.

Das ist Weihnachten.

In diesem Sinne eine besinnliche Zeit der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.

Lorenz Eckardt

Altenheimseelsorger

Noch keine Bewertungen vorhanden


X