Heute leben Menschen aus rund 200 Nationen in Hessen – und damit aus fast allen Ländern der Welt. Rund 38 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund, bei Kindern unter 6 Jahren liegt der Anteil bei 54 Prozent. Einige davon möchten einen deutschen Pass. Doch so einfach ist das nicht. Wer sich einbürgern lassen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Das reicht beispielsweise von einem mehrjährigen Aufenthalt in Deutschland über hinreichende deutsche Sprachkenntnisse bis zum Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Seit Juli 2024 gelten zusätzlich neue Einbürgerungsregeln: Die Einbürgerung ist nun unter anderem nach fünf statt acht Jahren rechtmäßigen Aufenthalts in Deutschland möglich. Bei besonderer Integrationsleistung verkürzt sich die Zeit um weitere zwei Jahre.
Mit den Einbürgerungsfeiern ist in den letzten Jahren in Deutschland ein neues politisches Ritual entstanden. Diese Feiern – in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbemerkt – finden mittlerweile fast flächendeckend in deutschen Städten und Landkreisen statt. Auch im Krifteler Rathaus soll eine solche Veranstaltung nun zur Tradition werden: Am Donnerstag fand die erste Einbürgerungsfeier in offiziellem Rahmen im Forum des Rathauses statt.
Gelungene Integration
Eingeladen waren die neu eingebürgerten Krifteler Bürgerinnen und Bürger, um ihr Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung gemeinsam zu feiern, sich gegenseitig kennenzulernen und auszutauschen. Die Urkunden waren schon im letzten Jahr übergeben worden. Jetzt folgte eine Begrüßung in kleinen, persönlichen Kreis: 16 von insgesamt 41 im Jahr 2024 in Kriftel eingebürgerten Deutschen hatten zugesagt. Die Stimmung war gelöst und einander zugewandt. Es sei eine Premiere für Kriftel und auch für ihn erklärte Bürgermeister Christian Seitz bei seiner Ansprache. Es sei gerade in Kriftel wichtig, Teil „unserer Gemeinschaft zu sein“, bekräftigte er. Denn in Kriftel verstehe man sich als „große Familie“. „Unser herzliches Willkommen als Deutsche“, betonte er. Jeder sei nun herzlich eingeladen, sich einzubringen und zu beteiligen, und er lud ein, ans Rednerpult zu treten.
Der gebürtige Iraner Fada Hossei Ahmadi ließ sich nicht lange bitten. Er kam aus der Runde nach vorne und bedankte sich bei der Gemeinde. Er sei seit zehn Jahren in Deutschland und fühle sich sehr wohl in Kriftel. Im Iran sei das Leben „nicht so gut“. Deswegen sei er auch nach Deutschland gekommen „und es hat funktioniert“. Er und seine Familie freuten sich sehr, hier zu sein. Dafür bekam er großen Applaus. Jetzt ist er einer von uns“ - das war der unausgesprochene Gedanke, der über der ganzen Gruppe im Rathausfoyer schwebte.
Anwesend waren auch der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Alexander Feist, und der Erste Beigeordnete Martin Mohr. Beide freuten sich über die neuen deutschen Mitbürgerinnen und Mitbürger. Es sei ein deutliches und schönes Zeichen, dass sie dazugehören wollen und sich integriert hätten. In Zukunft soll der feierliche Akt der Einbürgerungsfeier regelmäßig stattfinden - als symbolische Brücke zwischen der rechtlichen Anerkennung als Deutsche und der gesellschaftlichen Integration.
Kurzinterviews:
Fernando Mancilla
Seine Eltern kommen ursprünglich aus Spanien und zogen direkt nach seiner Geburt nach Deutschland. Erst arbeitete er bei der Hoechst AG und jetzt im Industriepark. Sein Deutsch sei besser als sein Spanisch, gibt er zu. Vom Herzen sei er eigentlich Spanier, aber hier sei er aufgewachsen und fühle sich zu Hause. Wegen seiner Eltern hatte er die Einbürgerung so lange hinausgeschoben. Als Deutscher könne er wählen und die Identifikation sei stärker.
Ollantay Lopez Himely
Er habe sich immer danach gesehnt, Deutscher zu sein, gibt Himely offen zu: „Deutschland gibt mir Zukunft.“ Er sei jetzt Crew-Busfahrer am Flughafen. Verantwortung tue ihm gut, erklärt der gebürtige Kubaner. Übrigens, betont er, habe er niemals Rassismus erfahren von den Deutschen. Eher von anderen Migranten. Wenn er nach Kuba fahre, würde er bereits nach einer Woche Deutschland vermissen.
Stefano Zenobio
Der 54-jährige Italiener, der seit 16 Jahren in Kriftel lebt, schätzt besonders die kurzen Wege: „Alles in der Nähe“, schwärmt er. „Aber Kriftel ist auch eine richtige Gemeinschaft. Ich lebe sehr gerne hier!“ Die friedliche Atmosphäre und das Zusammenleben gefallen ihm gut. „Fast wie in Italien!“
Ahadi Shapour
Der gebürtige Iraner, 40 Jahre alt, lebt seit acht Jahren in Deutschland. Seine Frau macht hier eine Ausbildung als Zahntechnikerin. Für ihn drückt die Staatsbürgerschaft die Zugehörigkeit zu Deutschland aus. Er brauche aber die doppelte Staatsbürgerschaft, um überhaupt wieder in den Iran einreisen zu können, sagt er.