Am Vormittag hatten sich 19 Personen am S-Bahnhof in Kriftel eingefunden, um dort die doch etwas längere Anreise zur Ausstellung „Die Neue Sachlichkeit – Ein Jahrhundertjubiläum“ in der Kunsthalle Mannheim anzutreten. Dort war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine 90-minütige Führung durch die sehr gut besuchte Ausstellung gebucht worden.
Den Begriff „Neue Sachlichkeit“ prägte der Direktor der Mannheimer Kunsthalle Gustav F. Hartlaub aus Anlass einer Ausstellung 1925 in Mannheim. Die 1920er-Jahre waren von einer politischen und gesellschaftlichen Zeitenwende nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geprägt. Die bedeutende Kunstströmung des Jahrzehnts war die Neue Sachlichkeit. Wichtige Themen waren die sozialen Missstände, aber auch die politische und gesellschaftliche Situation des Landes im Umbruch. Die Abbildung der nüchternen Wirklichkeit stand dabei im Vordergrund. So zu lesen in einem begleitenden Text des Museums zur jetzigen Ausstellung.
Im Rahmen einer sehr guten Führung, die mit anschaulichen Bild- und Tondokumenten ergänzt wurde, erfuhren wir viel über die Maler Max Beckmann, George Grosz, Otto Dix und Christian Schad. Letzterem ist ganz in der Nähe, in Aschaffenburg, ein ganzes Museum gewidmet.
Aber auch die weniger bekannten Malerinnen und Maler zeigen in ihren Bildern ein Abbild, teilweise auch überzeichnet, der 20er Jahre. Dabei ist zu erwähnen, dass in der Ausstellung von 1925 nicht ein einziges Gemälde einer Frau gezeigt wurde. Sie mussten sich ihren Rang in der Malerei in den nächsten Jahren erst erkämpfen. Hier ist insbesondere Lotte Laserstein zu erwähnen, der vor einigen Jahren eine Einzelausstellung in der Frankfurter Schirn gewidmet war.
Mit einem Gemälde von Edward Hopper wird auch der Bogen nach Amerika gespannt. Themen wie das Zeitgeschehen, der Alltag der Menschen, die Industrialisierung, eine neue Mobilität, das Menschenbild und das Bild der Frau sowie Porträts, Stillleben und Landschaft stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, welche diese Epoche als eine der Umbrüche und Kontraste charakterisiert. Dabei waren die Bilder, die bereits in der Ausstellung von 1925 gezeigt wurden, gesondert gekennzeichnet.
Mit wirklich überwältigen Eindrücken dieser wunderbaren Ausstellung wurde dann die Heimreise angetreten.